Wie gut sind Handy-Abo-Aktionen wirklich?

Bild: Pexels

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Schweizer Mobilfunk-Provider setzen stark auf Aktionen bei den Handy-Abos. Kurz bevor die Rabattschlacht um Black Friday und Cyber Monday losbricht, hat Moneyland.ch die Aktionen analysiert und gibt einen Überblick. Kunden sollten vor dem Abschluss prüfen, ob die Aktion wirklich gut ist.

Alleine in den ersten zehn Monaten des Jahres 2021 hat der Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch insgesamt 387 Aktionen von Schweizer Mobilfunk-Anbietern erfasst. Die Provider dürften zudem demnächst mit zahlreichen Black-Friday- und Cyber-Monday-Aktionen starten. Grund für Ralf Beyeler, Telekom-Experte von moneyland.ch, die Aktionen des Jahres 2021 genauer zu analysieren. Für die nachfolgende Auswertung hat moneyland.ch alle Aktionen berücksichtigt, die einen Rabatt auf die Grundgebühr enthalten und auf der Website des Anbieters veröffentlicht wurden. Ausnahmen, die nicht berücksichtigt werden konnten, sind Aktionen bei Jugend-Abos, auf Prepaid-Angebote, Internet-Only-Angebote, einmalige Zugaben, grösseres Datenvolumen, dynamische Rabatte und Rabatte, die kürzer gültig sind als die Mindestlaufzeit. Für die Analyse bleiben somit 317 verschiedene Aktionen.

Im Durchschnitt 51 Prozent Rabatt

Die Analyse der Aktionen ergibt im Durchschnitt einen monatlichen Rabatt von rund 33 Franken. Es gibt allerdings grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen Aktionen: Je nach Abo erhalten Kundinnen und Kunden einen monatlichen Rabatt zwischen 3 und 84 Franken. Der durchschnittliche Rabatt beträgt 51 Prozent. Im besten Fall sind es 70 Prozent, im schlechtesten Fall 15 Prozent. «Aktionen sind nicht nur in der Migros und im Coop beliebt, sondern auch für Handy-Abos. Doch wie im Supermarkt müssen die Kundinnen und Kunden auch beim Handy-Abo aufpassen, dass sie nicht ein zu teures Angebot kaufen», sagt Telekom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland.ch.

Welcher Anbieter gibt am meisten Rabatt?

Den höchsten prozentualen Rabatt gibt im Durchschnitt die Swisscom-Marke Wingo: Über 21 Sonderaktionen verteilt gibt es im Schnitt 58 Prozent Rabatt. Etwas geringer ist der durchschnittliche Rabatt bei Yallo mit 54 Prozent und Lebara mit 52 Prozent. Salt gibt im Schnitt einen Rabatt von 50 Prozent. Weniger grosszügig sind M-Budget mit 45 Prozent, Coop mit 43 Prozent, Sunrise mit 40 Prozent und Lidl mit 35 Prozent. Den höchsten Rabatt in Franken gibt die Swisscom-Tochter Wingo mit durchschnittlich 49.60 Franken im Monat, gefolgt von Yallo mit 36.60 Franken, Sunrise mit 33.30 Franken und Salt mit 32.65 Franken. Schlusslicht ist Lidl mit einem durchschnittlichen Rabatt von 8.45 Franken. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass ein Mobilfunk-Anbieter bei Abos mit einem höheren Normalpreis den Kundinnen und Kunden auch einen höheren Rabatt geben kann.

Wo gibt es die günstigste Flatrate?

Das meistverkaufte Handy-Abo der Schweiz ist eine Flatrate von Swisscom und kostet 80 Franken im Monat. Doch es gibt zahlreiche günstigere Angebote. Die günstigste Flatrate zum Normalpreis verkauft Lidl für 29.95 Franken im Monat. Im Rahmen von Aktionen gibt es Flatrates von verschiedenen Anbietern für unter 30 Franken, zum Beispiel von Yallo, Salt, Lebara, Sunrise, Das Abo, Lidl, Wingo und Coop. «20 Franken im Monat sind heute ein sehr guter Preis für eine Flatrate für unlimitiertes Telefonieren innerhalb der Schweiz und unlimitierten Internet-Zugang», sagt Beyeler. «Doch leider gibt es entsprechende Angebote nur selten: Einzig Das Abo, Digitec, Lebara, Lidl, Salt und Yallo bieten vereinzelt eine Flatrate zu diesem Preis an.»

Bedürfnisse wichtiger als grosse Aktionen

Auch wenn die Anbieter mit grossen Rabatten werben, ist es viel wichtiger, ein Handy-Abo abzuschliessen, dass zu den eigenen Bedürfnissen passt. Viele Handy-Abos und Aktionen enthalten zahlreiche Leistungen wie Daten-Roaming, Gespräche im Ausland oder Anrufe aus der Schweiz ins Ausland. Solche Abos sind zwar optimal für Kundinnen und Kunden, die die entsprechenden Dienstleistungen ständig nutzen. Effektiv seien jedoch die wenigsten Kundinnen und Kunden so oft im Ausland, dass sich diese Angebote rechnen, sagt Telekom-Experte Beyeler: «Die Kunden bezahlen damit Monat für Monat für eine Dienstleistung mit, die sie nicht benötigen.» «Handy-Abos mit ein wenig Roaming können durchaus sinnvoll sein, zum Beispiel wenn Kundinnen und Kunden in der Grenznähe wohnen und sich das Smartphone mit dem ausländischen Mobilfunknetz verbindet, obwohl sie sich in der Schweiz befinden. Entsprechende Angebote gibt es im Rahmen von Aktionen öfters für rund 25 Franken, manchmal sogar für nur 20 Franken», ergänzt Beyeler.

Diese drei Tipps gibt der Experte Kundinnen und Kunden:

  1. Achten Sie auf die monatlichen Gesamtkosten.
  2. Wählen Sie möglichst eine Aktion mit einem unbeschränkt gültigen Rabatt.
  3. Schliessen Sie möglichst keine Verträge mit langer Mindestlaufzeit ab.

Das gleiche Abo zu unterschiedlichsten Aktionspreisen

Wegen der vielen Sonderangebote wurden manche Abos im Verlauf des Jahres zu zahlreichen, unterschiedlichen Preisen angeboten. Ein Extrem-Beispiel ist das Abo «Europe» von Salt, das zu nicht weniger als sieben unterschiedlichen Aktionspreisen angeboten wurde: Es kostet normalerweise monatlich 79.95 Franken. Im Rahmen von Aktionen wurde das Abo im Jahr 2021 bereits für 29.95 Franken, 31.95 Franken, 34.95 Franken, 39.95 Franken, 47.95 Franken, 49.95 Franken und 59.74 Franken angeboten. «Dieses Abo ist ein gutes Beispiel für die Aktionitis der Telekom-Anbieter», kommentiert Beyeler. «Ein Kunde, der das Abo zum Aktionspreis zum falschen Zeitpunkt abgeschlossen hat, bezahlt mit monatlich knapp 60 Franken doppelt so viel wie der Kunde, der das Abo zum besten Aktionspreis abgeschlossen hat.» Der Telekom-Experte rechnet vor: «Die Unterschiede sind gewaltig: Während der Vertragsdauer von 24 Monaten bezahlen Kundinnen und Kunden 718.80 Franken Abogebühren mit dem besten Aktionspreis, 1433.76 Franken mit dem schlechtesten Aktionspreis und gar 1918.80 Franken zum Normalpreis. Das ist ein Unterschied von 1200 Franken.»

Flut von Black-Friday- und Cyber-Monday-Angeboten

Demnächst beginnt die Rabattschlacht um Black Friday und Cyber Monday. Die Schweizer Telekom-Anbieter dürften rund um diese Tage wieder zahlreiche Aktionen lancieren. Da wie oben gezeigt längst nicht alle Aktionen attraktiv sind, müssen die Kunden gut aufpassen. Als Hilfe hat Moneyland.ch eine Übersicht mit den Aktionspreisen zusammengestellt, zu denen einzelne Abos dieses Jahr bereits angeboten wurden. Konsumentinnen und Konsumenten können damit einfach nachsehen, wie attraktiv das beworbene Black-Friday- beziehungsweise Cyber-Monday-Angebot wirklich ist.

Grosse Unterschiede zwischen den Anbietern

Es gibt grosse Unterschiede zwischen den Anbietern. Einerseits lancieren manche von ihnen häufiger Aktionen als andere. Andererseits unterscheidet sich die Dauer: Einige Provider bieten die Aktionen typischerweise nur wenige Tage, andere Telekom-Firmen über mehrere Wochen. Am meisten Aktionen zählte Moneyland.ch bei Yallo mit 129 verschiedenen Angeboten. Darauf folgen Salt mit 56, Lebara mit 55 und Sunrise mit 48, Das Abo mit 27 sowie Wingo mit 21 Aktionen. Eine Einschätzung zu den einzelnen Anbietern finden Sie in der folgenden Übersicht.

Übersicht zu den verschiedenen Anbietern:

Coop: Hinter Coop Mobile steht die Swisscom, die Handy-Abos in Zusammenarbeit mit der Supermarkt-Kette Coop anbietet. Eher selten bietet Coop eines ihrer Handy-Abos als Aktion an. Ein Nachteil der Aktionen ist, dass der Rabatt nur während 12 oder 24 Monaten gültig ist. Ein Vorteil ist, dass der Kunde keinen Vertrag mit einer langen Mindestlaufzeit abschliesst. Im Jahr 2021 hat Coop auch Aktionen lanciert, bei denen die neuen Kunden einmalig ein grosses Datenvolumen von 1000 GB erhielten. Auffällig ist zudem die aktuelle Märkli-Aktion von Coop: Wer für 180 Franken in Coop Supermärkten einkauft und die erhaltenen Märkli in die Sammelkarte einklebt, bekommt einen Gutschein, um ein Coop-Handy-Abo 15 Franken im Monat günstiger zu erhalten. Damit unterscheidet sich der Preis aber lediglich um 5 Rappen pro Monat von anderen Aktionen für das gleiche Abo. Allerdings erhielten Kunden im Rahmen der Märkli-Aktion zusätzlich noch eine Geschenkkarte von Coop im Wert von 100 Franken. Für die Auswertung wurden diese beiden Aktionen allerdings nicht berücksichtigt, da sie nicht den in der Methodik festgelegten Kriterien entsprechen. Das Abo: Bei der Salt-Billigmarke «Das Abo» gibt es gar keinen offiziellen Normalpreis mehr. Deshalb konnten diese Abos in der Auswertung nicht berücksichtigt werden. Die Abos werden immer zu einem Aktionspreis angeboten, der allerdings unterschiedlich hoch ist. Die Differenz zwischen dem besten und schlechtesten Preis beträgt je nach Abo 25 bis 40 Prozent. Kundenfreundlich ist, dass die Verträge jeweils keine Mindestlaufzeit haben und der Anbieter einen «lebenslangen Rabatt» gewährt.

Digitec: Das Spezielle bei den Aktionen des bekannten Online-Händlers ist, dass die Rabatte im Rahmen von Gutscheinen gewährt werden, die die Kundinnen und Kunden individuell kaufen und einlösen können. Der Kunde bezahlt bei diesen Aktionen den gesamten Betrag im Voraus – zum Beispiel 240 Franken für eine Flatrate für 12 Monate. Vorteilhaft ist, dass auch bestehende Kunden einen solchen Gutschein kaufen können. Im Gegensatz zu den meisten anderen Angeboten in dieser Preisklasse ist bei der Aktion für umgerechnet 20 Franken im Monat jeweils auch 1 GB Daten-Roaming in Europa enthalten. Da die Grundgebühr des Digitec-Angebots je nach übertragenem Datenvolumen unterschiedlich hoch ist und der Kunde damit bei einigen Aktionen einen dynamischen Rabatt erhält, können diese Aktionen in der Auswertung nicht berücksichtigt werden.

Lebara: Die Sunrise-Billigmarke Lebara bot dieses Jahr bereits zahlreiche Aktionen. Lebara ist beim Kleingedruckten sehr kundenfreundlich: Es gilt keine Mindestlaufzeit und die Rabatte gelten ohne zeitliche Einschränkung. Vereinzelt hat Lebara auch Aktionen, bei denen die Kundinnen und Kunden mehr Datenvolumen erhalten. Diese konnte moneyland.ch in der Auswertung nicht berücksichtigen.

Lidl: Beim Handy-Angebot des Discounters Lidl in Zusammenarbeit mit Salt ist eine Flatrate regelmässig für monatlich 19.95 Franken erhältlich. In der Regel schliesst der Kunde einen Vertrag ohne Mindestlaufzeit ab und die Aktion gilt zeitlich unbefristet.

M-Budget: Swisscom bietet in Zusammenarbeit mit der Supermarkt-Kette Migros die M-Budget-Mobile-Abos an. Es gibt nur wenige Aktionen, meist handelt es sich um eine Halbpreis-Aktion. Das Aktionsangebot mit der günstigsten monatlichen Grundgebühr stammt von M-Budget: Das Abo «Mini» bietet der Detaillist manchmal für 9.50 Franken an – allerdings enthält es nur eine limitierte Datenmenge. In der Regel haben die Verträge keine Mindestlaufzeit, die Aktion gelten jedoch meistens nur während 24 Monaten. M-Budget gehört zu den Anbietern, die manchmal im Rahmen eines Sonderangebots mehr Datenvolumen gewähren. Solche Aktionen wurden in der Auswertung nicht berücksichtigt.

Quickline: Quickline hat im Juni, Juli und August alle ihre Handy-Abos gratis angeboten. Der Haken: Gratis ist das Abo nur während 12 Monaten, der Vertrag läuft jedoch während mindestens 24 Monaten. Effektiv bezahlen Kundinnen und Kunden während der ersten 24 Monate die Hälfte des Normalpreises – konkret bezahlt man im ersten Jahr zwar nichts, dafür aber im zweiten Jahr den vollen Preis. Diese Aktion hat moneyland.ch deshalb nicht in dieser Auswertung berücksichtigt.

Salt: Bei Salt gibt es sehr häufig Aktionsangebote. Die Preise für das gleiche Abo unterscheiden sich stark. Wenn Kundinnen und Kunden einen Vertrag zum falschen Zeitpunkt zum Aktionspreis abschliessen, bezahlen sie unter Umständen doppelt so viel wie Personen, die den Vertrag zum richtigen Zeitpunkt abgeschlossen haben. Wenig erfreulich ist, dass Salt grundsätzlich nur Verträge mit einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten anbietet und die Aktion in der Regel nur während 24 Monaten gültig ist.

Sunrise: Bei Sunrise ist auffällig, dass lediglich die teuren Abos der «We Mobile»-Familie zu Aktionspreisen angeboten werden, nicht jedoch die günstigeren Handy-Abos. Als einziger Anbieter hat Sunrise neuerdings auch Aktionen, die für bestehende Kunden attraktiver sind als für neue Kunden. Wenig kundenfreundlich ist jedoch das Kleingedruckte: Der Rabatt gilt in der Regel während 24 Monaten und die Mindestlaufzeit beträgt auch 24 Monate. Beim Abschluss eines Handy-Abos zum Normaltarif kennt Sunrise hingegen keine Mindestlaufzeit.

Swisscom: Der Branchenriese Swisscom gehört zu den wenigen Anbietern, die Aktionen anbieten, die nicht während der ganzen Vertragslaufzeit gültig sind. Deshalb wurden diese Angebote nicht in der Auswertung berücksichtigt. Swisscom hat wenig attraktive Aktionsangebote: So bezahlt der Kunde für ein Abo mit einer Flatrate während der ersten 12 Monate 40 Franken im Monat, danach während mindestens 12 weiteren Monaten 80 Franken im Monat. Im Durchschnitt sind das monatlich 60 Franken, erheblich mehr als bei vielen Aktionen von anderen Anbietern.

Wingo: Die Billigmarke Wingo bietet wesentlich attraktivere Aktionen an als der Mutterkonzern Swisscom. Wingo hat zahlreiche Aktionen zu kundenfreundlichen Bedingungen: Keine Mindestlaufzeit, die Aktionen gelten lebenslang und auch bestehende Kundinnen und Kunden können von Aktionspreisen profitieren. Wingo gibt mit durchschnittlich 58 Prozent am meisten Rabatt. Bei einzelnen Abos von Wingo ist die monatlich Grundgebühr von der Datennutzung abhängig. Bei Aktionen ergibt sich damit ein dynamischer Rabatt, den Moneyland.ch in der Auswertung nicht berücksichtigte.

Yallo: Die Sunrise-Billigmarke Yallo bietet fast durchgehend mindestens eine Rabattaktion. In der Regel gelten die Aktionen nur wenige Tage. Auch bei Yallo wird das gleiche Abo zu unterschiedlichen Aktionspreisen angeboten. Ein Beispiel: Das Abo «swiss flat» (Normalpreis: 58 Franken pro Monat) gab es im Jahr 2021 bereits zu sechs unterschiedlichen Aktionspreisen: 20, 21, 23, 24, 25 und 29 Franken. Sehr kundenfreundlich ist Yallo beim Kleingedruckten: Bei allen Aktionen gibt es keine Mindestvertragsdauer und die Kundschaft erhält den Rabatt «ein Leben lang».