Eine Studie zeigt dass soziale Kontakte kurzfristig die Stimmung heben. Stunden später führen sie jedoch zur Ermüdung messbar per Bluetooth Signalen und App Daten.
Soziale Kontakte tun gut aber nicht dauerhaft. Das zeigt eine aktuelle Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems. Die Forschenden kombinierten Smartphone Befragungen mit über 120'000 Bluetooth Signalen aus dem Alltag um die emotionale Wirkung sozialer Präsenz über Stunden hinweg exakt zu erfassen. Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster. In der Nähe anderer Menschen fühlten sich die Teilnehmenden kurzfristig vitaler und weniger niedergeschlagen. Doch drei bis vier Stunden später stieg die emotionale Erschöpfung deutlich an. Die Studie belegt diesen Verlauf erstmals mit hoher zeitlicher Auflösung und objektiven Daten aus dem Alltag. Erfasst wurden vier emotionale Zustände: Vitalität, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Ärger. 80 Erwachsene nahmen über zwei Wochen hinweg teil und gaben viermal täglich Auskunft über ihre Gefühlslage. Insgesamt entstanden mehr als 3700 Einträge. Parallel registrierten die Smartphones über 123'000 Bluetooth Signale aus der Umgebung als Mass für soziale Präsenz.
Wenn Nähe ermüdet
Besonders auffällig war der Zusammenhang zwischen sozialer Dichte und nachfolgender Erschöpfung. Je intensiver die soziale Umgebung desto höher die Wahrscheinlichkeit dass ein vitaler Zustand in Müdigkeit umschlug. Wer sich dabei als kontrolliert erlebte konnte sich schneller erholen und blieb emotional stabiler. Die Forschenden nutzten mehrere statistische Verfahren darunter lineare Mehrebenenmodelle und Strukturgleichungsanalysen um zeitliche Effekte und Wechselwirkungen sichtbar zu machen. Die Studie bestätigt bestehende psychologische Theorien wie die soziale Allostase erweitert sie aber um eine empirisch messbare zeitliche Dynamik. Der Befund ist relevant für viele Lebensbereiche vom Arbeitsplatz bis zum privaten Umfeld. Er macht deutlich dass soziale Kontakte dosiert werden sollten und Erholungsphasen nötig sind selbst wenn Begegnungen zunächst positiv wirken. Nähe tut gut aber nicht grenzenlos. (aso)