Ständiges Checken macht müde

Bild: 123rf/it business

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Nicht die Bildschirmzeit ist das Problem, sondern der Rhythmus der Nutzung. Eine Studie zeigt, dass häufige kurze Handy-Checks besonders belasten.

Seit Jahren dreht sich die Debatte um Bildschirmzeit und Selbstkontrolle, als liesse sich das Problem mit ein paar Minuten weniger pro Tag lösen. Eine Studie der Aalto University in Finnland widerspricht: Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern wie zerstückelt die Nutzung ist. Wer ständig kurz aufs Handy schaut, es weglegt und wenig später wieder zurückkehrt, fühlt sich eher überfordert als Nutzer mit ähnlich hoher Gesamtzeit. Über sieben Monate hinweg analysierten die Forscher das Verhalten von 277 Erwachsenen in Deutschland und mehr als 13 Millionen Nutzungsereignisse auf Smartphone und Computer. Parallel erfassten sie den empfundenen Informationsstress. Auffällig waren vor allem kurze, wiederkehrende Nutzungsschübe mit vielen Unterbrüchen. Die Autoren sprechen von „sparse online sessions“.

Henrik Lassila fasst es so zusammen: Nicht die Schwerstnutzer seien am stärksten belastet, sondern jene, „die immer wieder für kurze Momente zum Telefon zurückkehren und es kurz darauf wieder weglegen“.

Genau dieses Muster gehe besonders häufig mit dem Gefühl einher, mental überfüllt zu sein. Was die Studie nicht zeigt, ist ebenso relevant. Mehr Zeit in Messaging-Apps allein erklärt die Überforderung nicht. Entscheidend ist der Takt. Wer laufend kurz reagiert, springt gedanklich ständig hin und her. Das wirkt banal, ist aber kognitiv aufwendig. Janne Lindqvist formuliert die Konsequenz nüchtern: „Man muss nicht auf jedes Ping sofort reagieren. Machen Sie eine Sache nach der anderen.“ Sein Rat: Benachrichtigungen reduzieren, Kommunikation bündeln und Unterbrüche nicht reflexartig bedienen. Auffällig ist zudem, wie stabil diese Muster sind. Wer überfordert ist, bleibt es oft, wer es nicht ist, wird es selten. Die Nutzung ist tief im Alltag verankert und ändert sich kaum von selbst. Eine Folgestudie sieht Zusammenhänge mit Stress, negativen Emotionen und Angst. Damit wird klar: Es geht nicht um ein paar Minuten Bildschirmzeit, sondern um einen Nutzungsstil, der Aufmerksamkeit permanent zerlegt. Die Studie „Stop Fiddling With Your Phone and Go Offline“ wird an der CHI Conference on Human Factors in Computing Systems 2026 in Barcelona vorgestellt. Die zentrale Erkenntnis ist simpel: Nicht wie lange wir aufs Handy schauen, sondern wie oft. (lfa)

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