Kearney sieht die Schweiz unter Europas Top 3 Telekom Maerkten. Stark bei Kundenzufriedenheit, aber Glasfaser wird noch zu wenig genutzt.
Kearney stuft die Schweiz als einen der leistungsfähigsten Telekommunikationsmärkte Europas ein. Im neuen Report „European telecoms 2026: in need of a health boost“ erreicht die Schweiz im erstmals erhobenen European Telecom Health Index 76 Punkte und liegt damit auf Rang drei unter 20 untersuchten Ländern. Der Index bewertet die Märkte anhand von fünf Dimensionen, von finanzieller Performance über Kommerzialisierung und Netzausbau bis zu Marktumfeld und Kundenzufriedenheit. Grundlage sind 21 Kennzahlen sowie eine Befragung von rund 20.000 Konsumenten. Die Schweiz liegt in mehreren Kategorien vorne, besonders bei der Zufriedenheit der Kunden. Gleichzeitig zeigt die Studie einen Schwachpunkt, der auch in starken Märkten relevant wird. Die Nutzung moderner Glasfasernetze bleibt laut Kearney hinter dem Potenzial zurück. Die Schweiz wird bei der Glasfaser Kommerzialisierung als Nachzügler eingeordnet, also als Markt mit vergleichsweise geringer Nutzung trotz vorhandener Infrastruktur. Christoph Neunkirchen, Partner bei Kearney, betont, dass der nächste Schritt nicht nur im Ausbau liege, sondern in der konsequenten Nutzung moderner und sicherer Netze. Entscheidend sei, Haushalte und Unternehmen stärker auf Glasfaser zu bringen, damit sich Investitionen langfristig tragen und zusätzliche Erlöse entstehen. Laut Studie liegt die Glasfaserabdeckung in der Schweiz bei knapp 60 Prozent, die Anschlussquote bei etwas über 50 Prozent. Damit steht die Schweiz zwar besser da als einige Nachbarländer, landet im Cluster aber dennoch zusammen mit Deutschland und Österreich. Der Grund ist weniger die Verfügbarkeit als die Nutzung. Kearney warnt, dass eine zu langsame Migration langfristig zum Risiko werden kann, weil die Nachfrage nach stabilen Hochleistungsnetzen mit der Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Industrie weiter steigt. Europaweit sieht Kearney bis 2030 einen zusätzlichen Investitionsbedarf von 174 Milliarden Euro, um die eigenen Gigabit und 5G Ziele zu erreichen. Ohne zusätzliche Investitionen könnten bis zum Ende des Jahrzehnts rund 45 Millionen Menschen in Europa ohne ausreichende Hochgeschwindigkeitsanbindung bleiben. Die Schweiz ist im Vergleich gut positioniert, muss aber aus Sicht der Studie die Nutzung moderner Netze konsequenter vorantreiben, wenn sie ihre starke Rolle halten will. (aso)