Eine ISC2-Studie zeigt, dass KI Cybersecurity-Teams entlasten kann, aber zugleich mehr Kontrolle und klare Verantwortung verlangt.
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeit in der Cybersecurity spürbar, aber nicht so bequem, wie es manche Effizienzversprechen klingen lassen. Das zeigt eine neue Studie von ISC2, einer internationalen Nonprofit-Organisation für Cybersecurity-Fachleute, unter 856 Experten, die KI bereits im Berufsalltag einsetzen. Zwar berichten 48 Prozent, dass KI ihren arbeitsbedingten Stress reduziert hat, doch 32 Prozent erleben das Gegenteil und fühlen sich stärker belastet. Ein Grund dafür ist der wachsende Kontrollaufwand. 65 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr mehr Zeit darauf verwendet, zu entscheiden, wann sie KI-Empfehlungen vertrauen können. 63 Prozent mussten Ergebnisse häufiger überprüfen und validieren. Bei jenen, deren Stress gestiegen ist, fällt dieser Effekt noch deutlicher aus: 76 Prozent prüfen intensiver, ob Empfehlungen belastbar sind, 74 Prozent kontrollieren KI-Ergebnisse häufiger. Besonders heikel bleibt die Verantwortung. 89 Prozent der Befragten haben bereits erlebt, dass KI-Empfehlungen in ihrer Organisation zu falschen Ergebnissen geführt haben. Wenn solche Fehler Folgen haben, sehen laut Studie 50 Prozent am Ende die zuständigen Mitarbeitenden in der Pflicht. KI arbeitet also mit, die Verantwortung bleibt aber beim Menschen hängen.
Auch beim Berufseinstieg verschiebt sich etwas. 56 Prozent erwarten, dass klassische Einstiegspositionen seltener werden, während 53 Prozent zugleich neue Einstiegsmöglichkeiten durch KI sehen. Fast zwei Drittel der Befragten betonen zudem, dass fundierte Cybersecurity-Kenntnisse weiterhin unverzichtbar bleiben. ISC2-CEO Scott Beale formuliert es so: «Künstliche Intelligenz ersetzt keine Cybersecurity-Fachkräfte. Sie verändert vielmehr die Anforderungen an den Beruf.» Genau darin liegt der Punkt: Entscheidend wird nicht nur, wer KI bedienen kann, sondern wer Ergebnisse einordnet, Fehler erkennt und im Zweifel bewusst gegen eine Empfehlung entscheidet. Zu den grössten Bedenken zählen eine zu starke Abhängigkeit von KI, unerkannte Fehler über mehrere Systeme hinweg und der Verlust menschlicher Urteilsfähigkeit an kritischen Punkten. Entsprechend gross ist der Wunsch nach Regeln: 82 Prozent halten es für sehr wichtig, klar festzulegen, wann KI-Ergebnissen vertraut werden darf, 80 Prozent nennen klare Governance-Strukturen als wichtig. Die Studie ist damit keine Jubelmeldung über Automatisierung. KI kann Security-Teams entlasten, verschiebt aber zugleich Arbeit, Risiko und Verantwortung. Wer solche Systeme produktiv nutzt, braucht Fachwissen, Validierung und klare Zuständigkeiten. Sonst wird aus Unterstützung schnell eine neue Fehlerquelle. (aso)