Exportindustrie wächst weiter

Bild: Pixabay

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Im dritten Quartal 2021 notiert der Euler Hermes Export Forecast auf 0.95 Punkten. Wie erwartet ist der Indikator seit seinem Rekordwert von 3.13 Punkten im April 2021 aufgrund des nachlassenden Momentums erheblich gesunken. Er liegt jedoch weiterhin über der Nullpunktelinie, die den langjährigen mittleren Wachstumskurs der Schweizer Exportindustrie anzeigt. Konkret lässt der Indikator basierend auf seinem aktuellen Wert in den kommenden sechs Monaten ein Exportwachstum im zweistelligen Prozentbereich erwarten.

Im europäischen Vergleich hat die Schweiz die Nase vorn: Schon im zweiten Quartal 2021 lag das BIP wieder über dem Vorkrisenniveau. Den hinterherhinkenden Tourismus konnten vor allem die Wachstumstreiber Chemie und Pharma sowie die gute Entwicklung der Finanzdienstleistungen ausgleichen. Allerdings ist nach dem Sommerhoch eine deutliche Abkühlung der Konjunkturdynamik zu erwarten. «Anhaltende Lieferkettenengpässe, steigende Energiepreise und die schwächelnde Nachfrage aus China dürften die Industrie bis Mitte 2022 ausbremsen», so Euler Hermes Europa-Ökonomin Katharina Utermöhl. «Auch der Dienstleistungssektor kann aufgrund abnehmender Aufholeffekte und steigender Infektionszahlen im besten Fall mit einer Nachfragedelle rechnen. Mit einer Impfquote von knapp 66 Prozent (Stand BAG 07.12.2021) gehört die Schweiz in Europa zu den Schlusslichtern, was das Risiko für die Wirtschaft erhöht.» Euler Hermes rechnet 2021 mit einer Welthandelszunahme von +8.3 Prozent (2022: +5.4 Prozent) und einem Wachstum des Schweizer BIP um +3.5 Prozent (2022: +3.0 Prozent). Die Corona-bedingte konjunkturelle Achterbahnfahrt wird voraussichtlich erst 2023 ein Ende nehmen.

Erholungspfad bleibt relativ stabil

Die globalen Konjunkturaussichten blieben in den vergangenen Monaten per Saldo stabil. Für Europa wurden die Prognosen nach oben korrigiert. Dagegen sind die anfangs euphorischen Prognosen für die USA etwas zurückgenommen worden. Allgemein verläuft die Erholung von der Corona-Pandemie nach wie vor zügig. Probleme in der Logistik und Ängste neuer Infektionswellen wirken jedoch zunehmend als Bremsfaktoren. So war die Expansionsrate der weltweiten Industrieproduktion im Oktober die schwächste des 16-monatigen Aufschwungs. Mit Ausnahme von Mexiko und Myanmar weisen jedoch alle wichtigen Märkte PMI-Werte von über 50 Punkten auf, was auf einen generellen Wachstumstrend hindeutet. Auch führen die positiven Aussichten für das künftige Wachstum der Produktion im verarbeitenden Gewerbe zu einem leichten Beschäftigungsanstieg. Die globalen Lieferketten standen im Oktober weiter stark unter Druck, was sich unter anderem in steigenden Lieferzeiten und der Preisinflation niederschlug. Die Unsicherheit in der Beschaffung führt dazu, dass Unternehmen vermehrt die Lagerbestände aufstocken.

Schweizer Exporte auf Allzeithoch

Die Exporte sind gegenüber dem zweiten Quartal 2021 nominal um 3.7 Prozent auf 63.1 Milliarden Franken (real: 1.5 Prozent) gestiegen und haben damit einen neuen Quartalshöchststand erreicht. Die Importe nahmen um 2.6 Prozent auf 50.5 Milliarden Franken (real: 1.1 Prozent) zu. Während die Importe trotz des dritten Anstiegs in Folge niveaumässig immer noch rund 2.5 Milliarden Franken unter ihrem Höchststand im dritten Quartal 2019 liegen, übertreffen die vierteljährlichen Exporte seit Anfang 2021 wieder ihr Vor-Corona-Niveau. In der Handelsbilanz resultierte ein neuer Rekordwert: der Überschuss vergrösserte sich innert Quartalsfrist auf 12.6 Milliarden Franken, was unter anderem dem Schweizer Franken neuen Auftrieb gibt. «Der starke Schweizer Franken, steigende Preise und längere Lieferfristen machen den Schweizer Exporteuren zu schaffen», kommentiert Stefan Ruf, CEO Euler Hermes Schweiz. «2022 dürfte das Preiswachstum aber wieder unter die Höchststände von 2017-18 fallen. Auch der Welthandel sollte sich ab der zweiten Hälfte 2022 normalisieren. Insgesamt dürfte die Schweizer Exportindustrie – im Einklang mit einem überdurchschnittlichen Welthandelsvolumen – weiter zulegen.»