Die US-Regierung greift direkt in den Zugang zu zwei neuen Claude-Modellen ein. Anthropic muss Fable 5 und Mythos 5 sperren.
Anthropic hat den Zugriff auf Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 vorerst deaktiviert. Grund ist eine Exportkontrollanordnung der US-Regierung. Sie untersagt den Zugang durch ausländische Staatsangehörige, auch innerhalb der USA. Laut Anthropic betrifft dies sogar internationale Mitarbeiter des Unternehmens. Weil sich diese Vorgabe technisch offenbar nicht sauber auf einzelne Nutzergruppen beschränken liess, sperrte Anthropic beide Modelle für alle Kunden. Andere Claude-Modelle sollen weiter verfügbar bleiben. Der Fall ist brisant, weil es nicht um ein Randprodukt geht. Fable 5 wurde als leistungsfähiges Modell für komplexe Aufgaben, Softwareentwicklung, Wissensarbeit, Bildverarbeitung und länger laufende Arbeitsprozesse vorgestellt. AWS beschrieb Fable 5 als Modell, das Fähigkeiten auf Mythos-Niveau mit eingebauten Schutzmechanismen breiter verfügbar machen sollte. Bei der Entscheidung standen offenbar Cyberrisiken im Vordergrund. Wie Reuters berichtet, sollen US-Behörden befürchtet haben, dass die Modelle für die Suche nach Software-Schwachstellen oder offensive Cyberaktivitäten missbraucht werden könnten. Mehr als 50 Cybersicherheitsverantwortliche aus US-Unternehmen hätten die Regierung inzwischen aufgefordert, die Beschränkungen wieder aufzuheben. Ihr Argument: Solche Modelle seien auch für die Verteidigung wichtig. Anthropic selbst nennt keine technischen Details zur Gefahrenlage. Offen bleibt damit, ob konkrete Schwachstellen, Jailbreaks oder politische Risikoabwägungen den Ausschlag gaben. Sicher ist nur: Washington behandelt leistungsfähige KI-Modelle zunehmend wie strategische Technologie. Für Unternehmen ausserhalb der USA ist das ein klares Signal. Wer zentrale Prozesse auf amerikanische KI-Systeme stützt, hängt nicht nur von Produktstrategie, Preisen und Verfügbarkeit ab. Er hängt auch von Exportkontrolle und politischen Entscheidungen in Washington ab. (aso)