Die Carbanak-Cyberkriminellen sind zurück

11. September 2015
Die Carbanak-Cyberkriminellen sind zurück

    Der europäische Security-Software-Hersteller Eset registriert eine zunehmende Anzahl zielgerichteter Angriffe auf Unternehmen des Finanzsektors. Möglicher Urheber sind die sogenannten «Carbanak» Cyber-Bankräuber. 

    Diese hatten Ende letzten Jahres für Aufsehen gesorgt, als sie in den USA eine Milliarde US-Dollar erbeuteten. Zwar zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass der Fokus der Gangster derzeit noch auf den Vereinigten Staaten liegt. Jedoch nehmen die Aktivitäten in anderen Regionen deutlich zu – so auch in Europa. Ziel sind dabei vor allem Banken und andere Finanzinstitute. Die Kriminellen setzen in ihren Operationen auf zielgerichtete «Spear Phishing»-Attacken. Mitarbeiter von Banken werden dazu verleitet, Malware durch unbewusstes Öffnen schadhafter Dateianhänge in die Unternehmensnetzwerke einzuschleusen. Diese Schadsoftware öffnet den Angreifern dann Tür und Tor und ermöglicht ihnen den Zugang zu sensiblen Daten wie etwa Kreditkarteninformationen.

    Eset registriert Attacke auf US-Casino in Las Vegas
    Ende August schlugen die Scanner der Antivirus- und Malware-Labors von Eset heftig aus: Gemeldet wurde ein Angriff auf ein Casino in den USA. Der hierfür genutzte Infizierungsvektor war mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Spear-Phishing-E-Mail mit schädlichem Anhang, der einen RTF-Exploit oder eine .SCR-Datei beinhaltete. Damit versuchten die Angreifer, die Server zu kompromittieren, die für den Zahlungsvorgang innerhalb des Casinos eingesetzt werden.

    Als Backdoor nutzten die Gangster bislang zumeist die Open Source Software «Tiny Metepreter» – in diesem Fall modifiziert durch einen Mechanismus zur Prozess-Injektion in die Datei «svchost.exe». Die «Tiny Meterpreter»-Backdoor schleuste wiederum zwei verschiedene Malware-Familien in die Systeme des Casinos ein:

    •  Win32/Spy.Sekur – eine Malware, die oft von der Carbanak-Gang eingesetzt wird
    •  Win32/Wemosis – eine RAM Scraper Backdoor für Kassensysteme (PoS-Systeme)

    Ziel des Angriffs waren die Kassensysteme des Casinos, genauer: die Kreditkarteninformationen im Arbeitsspeicher der Systeme. Mit Win32/Wemosis ist darüber hinaus auch die Fernsteuerung der PoS-Systeme möglich. Beide ausführbaren Programme wurden mit dem gleichen Zertifikat digital signiert. Und beide finden sich auch in der dritten Malware-Familie wieder, die ebenfalls von der Gang genutzt wurde: Win32/Spy.Agent.ORM.

    Win32/Spy.Agent.ORM (auch bekannt als Win32/Toshliph) ist ein Trojaner, den die Carbanak-Gruppe als First-Stage-Payload nutzt. Win32/Spy.Agent.ORM ist eine kleine, simple Backdoor, durch die sich die Angreifer Zugang zu den Systemen ihrer Opfer verschaffen. Nach der Ausführung verbindet sich der Trojaner mit einem Command & Control-Server und erhält von diesem Befehle, Screenshots zu machen, laufende Prozesse aufzuzählen und Informationen über das System sowie die Kampagnen-ID zu sammeln. Anhand dieser Informationen können die Drahtzieher erkennen, ob der infizierte Computer nützlich ist.

    Europa im Visier
    Neben Casinos attackierten die Gangster in den USA auch Hotels. Die Angriffe konzentrierten sich dabei auf die Bundesstaaten Nevada, Kalifornien und New York. Ausserhalb der USA registrieren die Eset-Labors insbesondere in Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten die typische Malware, die von der Carbanak-Gruppe genutzt wird. Alarmierend ist, dass die Tendenz bei diesen Attacken deutlich ansteigt.

    Angriffe auch in Russland
    Eset registrierte zudem zahlreiche Angriffsversuche gegen russische und ukrainische Unternehmen – mit deutlichen Parallelen zu der Casino-Attacke in den USA. Hierbei wurden Spear-Phishing-E-Mails eingesetzt, die schädliche Anhänge mit .SCR-Dateien oder RTF-Exploits enthielten. Alle Anhänge wurden mit Icons des Adobe Acrobat Reader oder Microsoft Office getarnt und enthielten ein passwortgeschütztes Archiv mit einer .SCR-Datei. In anderen Fällen nutzten die Angreifer RTF-Dateien mit verschiedenen Exploits einschliesslich eines Exploits, der eine erst im Juni 2015 gefixte Schwachstelle in Microsoft Office ausnutzt (Sicherheitslücke «CVE-2015-1770», wird mit Update MS15-059 gepatcht).

    Geringe Fallzahl – bei erfolgreicher Attacke aber grosser Schaden
    Die Angreifer gehen extrem zielgerichtet vor, was die absolute Zahl an Opfern vergleichsweise niedrig hält. An ihrer Gefährlichkeit ändert das nichts. Eset rät daher einmal mehr dazu, beim Öffnen von Dateianhängen stets vorsichtig zu sein. Um ein höchstes Mass an Sicherheit zu gewährleisten, empfiehlt sich der Einsatz einer aktuellen Security-Software – sowohl privat als auch an verschiedensten Punkten von Unternehmensnetzwerken. Eset gibt auf seinem Security-Blog WeLiveSecurity weitere Einblicke in die eingesetzte Malware – dazu zählen Zertifikate, IP-Adressen der C&C-Server sowie Hash-Werte der schadhaften Dateien.

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