Millionen Android-Apps mit Schadsoftware verseucht

07. November 2019
Patrycja Tulinska ist Geschäftsführerin der PSW Group Patrycja Tulinska ist Geschäftsführerin der PSW Group Bild: PSW Group

    Schadsoftware macht auch vor dem mobilen Bereich nicht halt: Immer wieder schafft es Android-Malware, -Adware oder -Spyware, in Googles Play Store. Es gibt zwar keinen neuen Rekord, doch auch keinen Grund zur Entspannung: Im ersten Halbjahr 2019 wurden etwa 1,85 Millionen neue Schad-Apps gezählt.

    „Damit nährt sich die Gesamtanzahl aller bekannten Schad-Apps unter Android der 100-Millionen-Marke. Auf mehr als 94,2 Millionen summierte sich die Anzahl aller bekannten Apps mit Schadcode bis Ende Juni 2019“, informiert Patrycja Tulinska, Geschäftsführerin der PSW Group und sagt zur enormen Verbreitung: „Das Bedrohungspotenzial, welches unter Android als sehr hoch eingestuft werden darf, wird durch verschiedene Faktoren begünstigt. Die nach wie vor grosse Fragmentierung bei Android ist einer dieser Faktoren. Rund 60 Prozent aller Android-Geräte setzen auf Versionen, die noch vor August 2017 bereitgestellt wurden und damit schlicht veraltet sind.“

    Es sind jedoch nicht nur veraltete Android-Versionen, sondern auch veraltete Technik, die es den Hackern leicht macht, Android-Malware zu verbreiten. Manchmal spendiert der Hersteller keine Patches fürs Gerät mehr, manchmal verpassen die Nutzer das Einspielen aktueller Updates. „Der dritte Faktor, der zur immensen Verbreitung von Android-Malware beiträgt, sind Billiggeräte, die vorinstallierte Schadsoftware mit sich tragen. Für den Smartphone-Besitzer ist diese Malware nicht nur unsichtbar, sondern sie lässt sich auch nicht deaktivieren“, ergänzt Tulinska. Online-Kriminelle erhalten damit Vollzugriff auf das Gerät sowie auf alle darin gespeicherten persönlichen Daten. Da die Schadsoftware tief in die Firmware integriert ist, ist es ein sinnloses Unterfangen, die Schadsoftware manuell entfernen zu wollen.

    Beliebt bei Cyberkriminellen: Adware
    Da sie dem Nutzer direkt schaden, ist Adware bei Cyberkriminellen besonders beliebt: Erst im Juli entdeckte Trend Micro 182 Adware-Apps - 111 davon im Google Play Store. Meist tarnen sie sich als harmlose Kamera-Apps oder als Games. Insgesamt neun Millionen Mal wurden diese schädlichen Anwendungen heruntergeladen. Im August 2019 entdeckten die Sicherheitsforscher von Trend Micro gleich noch einmal 85 weitere Anwendungen mit Adware. Bevor diese Anwendungen entfernt werden konnten, wurden sie acht Millionen Mal heruntergeladen. „Wie die jeweilige Schadsoftware vorgeht, ist genauso verschieden wie die Techniken, die sie zum Verschleiern nutzen: Mithilfe verschiedener Techniken gelingt es solchen Schad-Apps, einer Entdeckung zu entgehen und die Löschung deutlich zu erschweren“, informiert Patrycja Tulinska.

    Adware führt dazu, dass auf Smartphones unerwünschte Werbung angezeigt wurde – oft versteckt in Gaming- sowie Foto-Apps. Meist ist sie gut getarnt und schwer zu entdecken: Häufig wird sie erst Minuten nach dem Entsperren des Endgeräts aktiv und zeigt dem Nutzer Werbung mit bis zu fünf Minuten Länge an – zum Teil sogar auf dem Sperrbildschirm. Weiter versteckt sich die schädliche Anwendung auch im App Drawer. Das führt dazu, dass Nutzer weder Anrufe annehmen noch andere Apps verwenden können.

    SimBad, CooTek und Agent Smith: Die drei verbreitetsten Android-Schadcodes
    Es sind definitiv keine TV-(Anti-)Helden, wie der Name vielleicht zunächst vermuten lässt. Hinter SlimBad, Agent Smith und CooTek verbergen sich teils sehr komplexe Schadcodes, die sich Android-Nutzer millionenfach beim Download diverser Apps auf ihr Smartphone geladen haben. Die Android-Malware SimBad haben sich schätzungsweise bis zu 150 Millionen Nutzer eingefangen. „Sie versteckte sich in einem Advertising-Kit namens RXDrioder. Viele Entwickler nutzen dieses Tool zum Einblenden von Werbung in ihren Apps. Die meisten davon wussten wahrscheinlich nicht einmal, dass auch sie für die zügige Verbreitung der Malware missbraucht wurden“, so Tulinska. Der Sicherheitsanbieter Check Point fand das schädliche Advertising-Kit in 210 Android-Apps, die über Googles Play Store vertrieben wurden. Meist waren die Apps Spiele aus den Kategorien Shooter und Rennsimulation.

    Aus dem Hause CooTek kam mit BeiTaAd eine Adware, die als Plugin in 238 unterschiedlichen Anwendungen über Googles Play Store ausgeliefert wurde. Darunter auch in der beliebten Tastatur-App TouchPal, die mehr als 100 Millionen Mal installiert wurde. Nach der Installation wurden Smartphones nicht nur zur Werbe-Hölle, die Audio- und Videowerbung selbst auf dem Sperrbildschirm abspielten, sondern es wurden teilweise sensible Daten ausgelesen.

    Mit Agent Smith kann über die App Stores ein äusserst komplexer Schadcode auf den mobilen Endgeräten landen. Er ist als harmlose Spiele- oder Foto-App getarnt und verändert die Apps derart, dass ständig unerwünschte Werbung angezeigt wird. Zudem ist er in der Lage, sensible Nutzerdaten zu stehlen. Agent Smith hat weltweit bereits 25 Millionen Geräte infiziert, im Juli 2019 erreichte der Schädling auch Deutschland.

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