Wie Cyberkriminelle die Psychologie ausnutzen

06. September 2019
Wie Cyberkriminelle die Psychologie ausnutzen Bild: Pixabay

    Social Engineering wird zu einer immer beliebteren Methode, die Cyberkriminelle dazu nutzen, um sowohl kleinere als auch grössere Verbrechen zu verüben. Nordvpn nennt ein paar Beispiele, wie jeder von uns darauf reinfallen kann, und gibt ein paar Tipps, um dies zu verhindern

    Im Wesentlichen ist Social Engineering eine Methode, um Zugriff auf Netzwerke, Systeme oder Daten zu erhalten, indem anstelle von technischen Hacking-Techniken die menschliche Psychologie und Neugierde ausgenutzt werden. Hierbei kommt eine Vielzahl an Methoden zum Einsatz, einschliesslich Telefonanrufen und Nachrichten in den sozialen Medien, wodurch die Angreifer Personen dazu überlisten, ihnen Zugriff auf wertvolle, persönliche Informationen oder Daten des Unternehmens zu geben.

    Phishing
    Dies ist die wohl beliebteste Art von Social Engineering. Beim Phishing werden gefälschte E-Mails versendet, die sich als legitime Nachrichten ausgeben und für gewöhnlich von einer Bank oder sonstigen Behörde zu sein scheinen. Auf diese Art und Weise zielen Hacker darauf ab, dass die Personen ihre wertvollen Informationen, wie Kreditkarteninformationen, mit ihnen teilen, oder aber auf einen schädlichen Link klicken.

    Phishing ist in deutschsprachigen Regionen besonders aktiv. Die Angreifer sind sehr gebildet, nutzen gestohlenes Branding und sorgfältig kreierte Websites, Domains und Social Engineering, um ihre Opfer dazu zu verleiten, eine Reihe von Informationen preiszugeben. Die Hauptthemen für betrügerische E-Mails in Deutschland betreffen Zahlungen, Forderungen zur Erneuerung von verschiedenen Konten, Bankbriefe und sogar Grusskarten.

    „Manche Phishing-E-Mails sind sehr schlecht zusammengestellt und man kann sie leicht erkennen. Allerdings gibt es dann wiederum andere, die echt aussehen, sodass sie selbst erfahrene Internetnutzer reinlegen können“, so Daniel Markuson, Experte für digitalen Datenschutz bei Nordvpn.

    Seit Kurzem stehen auch Klage-E-Mails bei Hackern hoch im Kurs. Diese Art von E-Mail gibt vor, dass der Empfänger verklagt werden würde. Die Person wird dazu angehalten, die angehängten, betrügerischen Dokumente zu öffnen und durchzulesen, und die E-Mail innerhalb von sieben Tagen zu beantworten. Gemäss diesen gefälschten Klage-E-Mails wird der Empfänger verklagt, sofern er nicht die Anweisungen befolgt.

    Baiting
    Baiting bezeichnet eine Art des Social Engineering mit der geringsten menschlichen Interaktion. Die sogenannten Baiters bieten Nutzern kostenlose Downloads für Filme, Musik oder Software an; in anderen Fällen nutzen sie physische Medien, wie USB-Sticks, um die menschliche Neugierde für sich zu nutzen.

    „Sie lassen einen infizierten USB-Stick in einem Café, einem Flur in einem Bürogebäude oder einem ähnlichen Ort liegen, wo eine hohe Möglichkeit besteht, dass ihn jemand finden wird“, so Daniel Markuson, Experte für digitalen Datenschutz bei Nordvpn. „Dann nimmt ihn jemand mit, steckt ihn in den Computer und schon wird die Malware installiert. Wenn es sich hierbei um ein Büro handelt, dann besteht die Möglichkeit, dass Malware in wichtige Systeme und Dateien eindringt.“

    Ein interessanter Baiting-Angriff, der tatsächlich lediglich ein Test war, wurde von dem Sicherheitsexperten Steve Stasiukonisdurchgeführt, der diesen Angriff bei einem Finanzunternehmen durchführte, das sein Kunde war. Sein Team liess mit Trojanern infizierte USB-Sticks auf dem Parkplatz in der Nähe des Bürogebäudes liegen. Viele neugierige Mitarbeiter nahmen die USB-Sticks mit und steckten sie in ihre Computer. Dadurch wurde ein Keylogger aktiviert, der Steve die Anmeldedaten der Mitarbeiter übermittelte.

    Pretexting
    Pretexting-Angriffe sind auf das Vertrauen der Zielperson ausgerichtet und sie erfordern normalerweise eine Recherche zum Hintergrund der Person und eine vertrauenswürdige Geschichte. Für gewöhnlich geben Betrüger vor, dass sie gewisse Informationen benötigen, um die Identität zu bestätigen, um eine Transaktion durchzuführen oder um ein Problem zu lösen. Laut dem Untersuchungsbericht zu digitalen Verstössen von Verizon für das Jahr 2018hat sich die Anzahl der erfolgreichen Pretexting-Angriffe seit 2017 verdreifacht.

    2017 haben viele Leute Geld mit Kryptowährung verloren, nachdem die Ethereum Classic-Website gehackt wurde. Hacker gaben sich durch die Erstellung eines falschen Kontos und durch die Pretexting-Methode als Eigentümer von Classic Ether Wallet aus. Sie erhielten Zugriff auf das Domain-Register und leiteten es an ihren eigenen Server weiter. Cyberkriminelle extrahierten die Kryptowährung Ethereum von den Leuten, nachdem sie einen Code auf der Website eingegeben hatten, der ihnen ermöglichte, private Passwörter für Transaktionen einzusehen

    Ein weiterer berühmter Fall von Pretexting war der „News of the World“-Skandal, bei dem Mitglieder der britischen Presse Mobilfunkbetreiber hereinlegten, damit sie ihnen ihre PIN-Codes aushändigten, wodurch diese Journalisten schließlich die Sprachnachrichten der königlichen Familie belauschen konnten.

    „Anders als bei Phising-E-Mails, die Angst und Dringlichkeit auslösen, ist Pretexting auf den Aufbau von Vertrauen mit den Zielpersonen ausgerichtet. Hacker kreieren eine glaubwürdige Geschichte, wodurch die Opfer ihnen vertrauen und in ihre Falle geraten“, erklärt Daniel Markuson, Experte für digitalen Datenschutz bei Nordvpn.

    Wie man sich vor solchen Social-Engineering-Methoden schützen kann
    Obwohl sich Social Engineering immer weiterentwickelt, ist es dennoch möglich, sich vor diesen Angriffen zu schützen. Daniel Markuson, Experte für digitalen Datenschutz bei Nordvpn, gibt dir hier ein paar Tipps, damit du auf der sicheren Seite bleibst: „Der grundlegendste Schritt, den jeder unternehmen kann, ist, deinen Laptop und dein Smartphone zu sperren, wenn du deinen Schreibtisch verlässt. Es ist auch wichtig, dein Passwort und sonstige Anmeldedaten niemals sichtbar an einem Ort aufzubewahren und nicht dasselbe Passwort für verschiedene Konten zu verwenden. Ausserdem sollte man E-Mails von einer nicht-vertrauenswürdigen Quelle nicht öffnen und keine verdächtigen Links anklicken. Und für ein Maximum an Sicherheit solltest du dir eine Anti-Virensoftware und ein verlässliches VPN wie Nordvpn holen – das sind die wohl besten Lösungen.“

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