Spricht Ransomware bald Schwiizerdütsch?

09. März 2017
Spricht Ransomware bald Schwiizerdütsch? Bild: Eset/Shutterstock

    «Grüezi, mir händ Ihres Handy entfüehrt. Bitte zahlet Sie s Lösegäld.» – so oder ähnlich könnte sich Malware demnächst zu Wort melden. Der europäische Security-Software-Hersteller Eset beobachtet Android-Ransomware immer wieder als grossen Trend unter Cyber-Kriminellen.

    Seit Kurzem macht ein neues Mitglied der chinesischen Jisut-Ransomware-Familie (Android/LockScreen.Jisut) durch das Abspielen von Sprachnachrichten auf sich aufmerksam. Infizierte Android-Smartphones oder Tablets spielen unvermittelt chinesische Tonnachrichten ab, die dem Besitzer zu verstehen geben, dass zum Entsperren seines Geräts 40 Yuan – etwa 5.95 Schweizer Franken – gezahlt werden sollen. Eset erkennt die Malware als Android/Lockerpin, da sie den eigentlich schützenden Smartphone-Sperrbildschirm zurückzusetzen kann. Mit ein paar Tricks lässt sich das Handy allerdings schnell wieder entsperren.

    Ransomware will auch Login-Daten abgreifen
    Die Android-Malware wird über einen schädlichen Dropper verbreitet, der sie entschlüsselt und ausführt. Wird anschliessend die schadhafte App manuell geöffnet, taucht am unteren Bildschirmrand die Aufforderung «Click for free activation» auf. Mit einem Klick initiieren ahnungslose Nutzer den Prozess und werden aufgefordert, der App Admin-Rechte einzuräumen, durch die das Gerät gesperrt und die Sprachnachricht mit der Zahlungsaufforderung abgespielt wird.

    Auf dem Bildschirm wird zudem eine Nachricht angezeigt, die über die nächsten Schritte zur entgeltlichen Entsperrung informiert. Wer diese einfach schliesst, veranlasst die Malware dazu, den PIN-Code zu ändern. Darüber hinaus versucht die Ransomware vor der Lösegeldforderung auch, über einen gefälschten Login-Screen Username und Passwort für das vor allem in China genutzte Social Network QQ zu finden und an den Urheber des Angriffs zu senden.

    Urheber der Jisut-Malware vermutlich aus China
    Die Jisut-Malware-Familie hat in China die grösste Verbreitung und stammt vermutlich aus den Händen einer einzigen Gruppe, die in frühen Versionen sogar ihre Kontaktdaten aus dem QQ-Netzwerk in die Ransomware-Screens einbauten, damit Opfer ihnen das Lösegeld zukommen lassen konnten. Laut diesen Kontaktdaten sind die Mitglieder der Gruppe zwischen 17 und 20 Jahre alt.

    Die ersten der mittlerweile hundert Varianten von Android/LockScreen.Jisut erschienen in der ersten Hälfte des Jahres 2014. Alle basieren auf der gleichen Code-Vorlage, übermitteln die Lösegeldforderungen aber auf unterschiedliche Arten. Neben dem Ransomware-Feature verschicken einige Varianten zudem SMS-Nachrichten an alle Kontakte im Telefonbuch, um die Malware weiter zu verbreiten.

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