Social Media haben mehr Stimmen in die Klimadebatte gebracht. Gerechter oder übersichtlicher wurde sie dadurch aber kaum.
Vor zwanzig Jahren klang das Versprechen gross: Social Media sollten die Klimakommunikation öffnen. Wissenschaft, Öffentlichkeit, Aktivisten und Bürger könnten direkter miteinander sprechen, ohne die alten Filter von Politik und klassischen Medien. Ganz aufgegangen ist das nicht. Eine Übersichtsarbeit der Universitäten Zürich und Münster kommt zum Schluss, dass der Klimadiskurs zwar breiter geworden ist. Dominant bleiben aber oft die bekannten Akteure: Politik, Behörden und klassische Medien. Gleichzeitig erhalten klimaskeptische Stimmen unter den nicht-etablierten Akteuren überproportional viel Sichtbarkeit. Damit wird die Klimadebatte nicht einfach demokratischer, nur weil mehr Menschen posten können. Sichtbarkeit entsteht auf Plattformen nach eigenen Regeln: Zuspitzung, Mobilisierung, Empörung und Empfehlungslogik zählen mit. Auch die Echokammern verändern sich. Lange schaute die Forschung vor allem darauf, was innerhalb einzelner Plattformen passiert. Inzwischen rücken die Grenzen zwischen Plattformwelten stärker in den Blick. X, TikTok, YouTube, Weibo oder alternative Netzwerke funktionieren unterschiedlich und ziehen teils sehr verschiedene Öffentlichkeiten an. Für den Klimajournalismus ist das unangenehm. Einerseits wandern Werbegelder zu Plattformen ab, andererseits werden externe Links nicht immer prominent ausgespielt. Wer sich ohnehin für Klima interessiert, findet online viel Material. Wer wenig Interesse hat, stolpert aber seltener beiläufig über Klimathemen als früher in klassischen Nachrichtenmedien. Einen einfachen Social-Media-Effekt gibt es deshalb nicht. Plattform, Land, Regulierung und politisches Umfeld entscheiden mit. Die Arbeit von Mike S. Schäfer und Julia Metag erscheint in «Nature Climate Change» und zieht eine nüchterne Bilanz: Social Media haben den Klimadiskurs verändert, aber nur teilweise demokratisiert. (pdm)