Programmierer werden so rar sein wie heute der Impfstoff

Programmierer werden so rar sein wie heute der Impfstoff Bild: Pixabay/Comfreak

    „Hätten die Länder im Herbst 2020 mehr Impfstoff bestellt, wäre die Versorgungslage heute dramatisch besser. Genauso wird es sich mit Programmierern verhalten, die bis 2030 ein extrem knappes Gut sein werden“, prognostiziert Edward Lenssen, CEO der niederländischen Firma Beech IT.

    Er begründet: „Software wird sich als die wichtigste Waffe für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in den 2020er Jahren erweisen. Unternehmen, die die bessere Software haben, werden ihre Kunden besser kennen und besser bedienen können als die Konkurrenz, und sie werden ihre Kosten besser kalkulieren und ihre Ressourcen effizienter nutzen können.“

    Nach Einschätzung des niederländischen Softwarespezialisten hat die Coronakrise vielen Firmen vor Augen geführt, dass sie wenig flexibel auf überraschende Marktveränderungen reagieren können. „Die Kunden haben sich auf einmal ganz anders verhalten, aber die IT-Systeme waren daran nicht anzupassen“, sagt Edward Lenssen. Er erklärt: „Wir haben im Jahr 2020 mehr Hilferufe von Firmen bekommen, dass wir ihre Softwaresysteme kurzfristig umprogrammieren sollen, als jemals zuvor.“

    Lenssen nennt konkrete Beispiele: „Beinahe täglich wechselnde Logistikketten, Verbraucher, die plötzlich auf Online-Banking umschwenken, weil sie Angst haben, Bankfilialen zu betreten, Platzreservierungssysteme sollen auf einmal die Menschen möglichst weit auseinander setzen, ständig neue Reiseregeln, nie zuvor gekannte Sicherheitsmassnahmen wie Fiebermessen an Eingängen, die Umstellung auf Home Office, der Run auf Online-Dienste – die Coronakrise hat eine Dynamik erfordert, die die Softwaresysteme der meisten Unternehmen hoffnungslos überfordert hat. Dabei ist vielen Führungskräften zum ersten Mal richtig bewusst geworden, wie überaltert die Computerprogramme in ihren Betrieben eigentlich sind.“

    KI-Einsatz in den 2020ern unerlässlich
    Rund zwei Drittel der heute in der Wirtschaft eingesetzten Software ist für die Anforderungen der 2020er Jahre nicht geeignet, wenn sie nicht gravierenden Änderungen unterzogen wird, schätzt Edward Lenssen aufgrund von Projekterfahrungen. Er sagt: „Manchmal genügt es im ersten Schritt, einer alten Anwendung eine neue Benutzeroberfläche zu verschaffen, damit sie vom Verbraucher als modern empfunden wird. Aber auf Dauer ist es unumgänglich, die Hintergrundsysteme fit für die Zukunft zu machen. Dazu wird in den 2020ern zweifelsohne der Einsatz von Künstlicher Intelligenz gehören.“

    Nach Einschätzung des Beech-Chefs lässt sich durch die verstärkte Integration von KI-Technologien die Flexibilität und damit die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen massiv erhöhen. „KI kann zu deutlich zuverlässigeren Datenanalysen und signifikant besseren Prognosen führen“, sagt Edward Lenssen: „Nachfrage, Absatzerwartungen, Produktionsmengen und Ressourcen können mittels KI-Software deutlich präziser gesteuert werden als mit althergebrachten Warenwirtschafts­systemen.“

    Personalakten wie vor 20 Jahren
    Dringenden Handelsbedarf sieht der Beech-CEO auch bei Software für das Personalmanagement. „Die meisten Unternehmen wissen praktisch nichts von ihren Beschäftigten, weil die Personalakten im Computer noch wie die Aktenordner vor 20 Jahren einfach nur aufbewahrt werden“, ist Edward Lenssen häufig entsetzt bei IT-Projekten. Er führt aus: „Durch Corona ist den Personal­abteilungen klar geworden, dass sie viel mehr über die Mitarbeitenden wissen müssen, für einen sinnvollen Einsatz im Home Office und bei der Transformation von Geschäftsprozessen ins Internet.

    HR-Analytics ist das Gebot der 2020er Jahre, um die Leistungsfähigkeit und die Kompetenzen des Personals einschätzen zu können. Die meisten Firmen hatten in der Coronakrise überhaupt keinen Überblick, über welches Know-how zur Modernisierung des Portfolios in Richtung digitaler Services sie im eigenen Betrieb überhaupt verfügen. Viele Unternehmen kennen nicht einmal die Schwer­punkte und Lücken ihres Personals und haben daher auch kaum eine Ahnung, welche Aus- und Weiterbildungsmassnahmen erforderlich sind.“

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