Reality Check: Was bewegt Android Pay in Europa?

Sascha Breite, Head Future Payments des Payment-Spezialisten SIX Payment Services Sascha Breite, Head Future Payments des Payment-Spezialisten SIX Payment Services Foto: SIX Payment Services

    Soll Bargeld abgeschafft werden? Passend zu dieser Debatte wagt Google den Schritt über den grossen Teich und hat am 18. Mai Android Pay in Grossbritannien gestartet. Damit ist es das erste europäische Land, in dem Android Pay verfügbar ist. Acht Banken und elf Handelsketten haben, unterstützt durch Mastercard, am Launch teilgenommen. Das Aufgebot ist gross, doch wie wird Android Pay im Vergleich zu seiner Konkurrenz Apple Pay und Samsung Pay ankommen und was bedeutet die Einführung für den deutschen Markt? Sascha Breite, Head Future Payments des Payment-Spezialisten SIX Payment Services, macht den Reality Check.

    Mit Android Pay kommt die dritte mobile Zahlungslösung eines globalen IT-Konzerns nach Europa. Grossbritannien ist weltweit das zweite Land neben den USA, in dem der Bezahldienst Android Pay einsetzbar ist. Das Vereinigte Königreich ist für US-Firmen oft naheliegender Einstiegspunkt in den europäischen Markt: Ebenso wurde Apple Pay im Juli 2015 dort eingeführt, Samsungs Bezahldienst soll in diesem Monat folgen.

    Android Pay in den USA
    Laut Google registrieren sich monatlich über 6 Millionen Menschen für Android Pay. Das scheinen auf den ersten Blick starke Zahlen zu sein. Doch die Registrierungen sagen nichts über die tatsächliche Nutzerzahl aus. Um mehr User für die Bezahllösung zu gewinnen, ist Google eine Partnerschaft mit dem Bonussystem Plenti, dem Kreditkartenanbieter American Express und US-Schwester von Payback, eingegangen. Die Kombination aus Mobile Payment und Bonusprogramm stellt einen wichtigen Anreiz für Verbraucher dar und soll noch mehr Menschen zum Wechsel zu Android Pay bewegen. Ein Grund, warum Google vor der Einführung von Android Pay in UK auch auf starke Partnerschaften setzte. Schliesslich hat Konkurrent Apple bereits einen zeitlichen Vorsprung.

    Apple Pay in den USA und Grossbritannien
    Apples App dürfte die ausgereifteste Lösung auf dem Payment-Markt in England sein, nicht zuletzt, weil Apple Pay dort am längsten auf dem Markt ist. Trotz seines hohen Bekanntheitsgrades bei den iPhone-Nutzern (64%), haben nur 20 Prozent den Dienst jemals ausprobiert und nur 3 Prozent verwenden Apple Pay regelmässig. Unter der Berücksichtigung von Marktanteil und Marktdurchdringung von Apple in den USA, verwenden weniger als ein Prozent aller iPhone 6-Enduser Apple Pay regelmässig. Ein Prozent mag gering erscheinen, bedeutet aber immerhin ein gewisses Momentum – allerdings ist es noch ein langer Weg, bis Mobile Payment zum Massenphänomen werden kann.

    Samsung will Bezahlplattform in UK einführen
    Die Einführung von Android Pay in Grossbritannien könnte Samsung Nutzer irritieren, da diese seit dem Galaxy S6 mit Samsung Pay bereits eine eigene vorinstallierte Wallet besitzen. Die Lösung ist derzeit in den USA, Südkorea und China einsetzbar und wird bald in Singapur, Grossbritannien und Spanien eingeführt. Für das zweite Halbjahr 2016 habe Samsung, so kündigte Nathalie Oestmann, Head of Samsung Pay Europe an, die Einführung von Samsung Pay in weiteren europäischen Ländern auf der Agenda, ohne diese konkret zu benennen. Um gegen Apple und Google konkurrenzfähig zu bleiben, hatte Samsung Anfang 2015 LoopPay übernommen und deren MST-Lösung (Magstripe Secure Transmission) in die neue Gerätegeneration integriert. Dadurch lassen sich Zahlungen auch an herkömmlichen POS-Terminals mit Magnetstreifenleser sicher durchführen. Doch beim Thema Mobile Payment geht es nicht nur um die drei grossen Player.

    Ein Blick in die Schweiz
    Das Finanzinstitut UBS und die Zürcher Kantonalbank haben gemeinsam mit SIX das neue Peer-to-Peer Bezahlsystem „Paymit“ in der Schweiz eingeführt. Mit der App können Nutzer Geld in Echtzeit senden oder anfordern. Weitere Banken (Banque Cantonale de Genève, Banque Cantonale Vaudoise, Luzerner Kantonalbank und Raiffeisen) haben sich der Partnerschaft angeschlossen, was die rasche Verbreitung der App zusätzlich unterstützt. Aktuell wird Paymit auch für das Bezahlen im Handel ausgerollt. Damit bietet Paymit eine Alternative zu Apple, Google & Co. – zumindest in der Schweiz. Dies hilft nationalen Banken und Finanzinstituten, ihre Beziehung zum Endkunden zu verteidigen und gegenüber den neuen Technologieanbietern konkurrenzfähig zu bleiben.

    Fazit
    Trendforscher sind überzeugt, dass sich Mobile Payment durchsetzen wird. Google scheint sich jedoch in einer sehr engen Nische in Europa zu bewegen. Immerhin spricht Android Pay nur Nutzer in ausgewählten Ländern an, die weder Apple Pay noch Samsung Pay nutzen. Die Einführung einer neuen mobilen Bezahlplattform wird weder im englischsprachigen noch im deutschsprachigen Raum reichen, um das Zahlverhalten von Kunden nachhaltig zu verändern. Erst die Kombination aus Mobile Payment mit weiteren Dienstleistungen, beispielsweise Mobile Ticketing und Treueprämien, wird zu einem wahrnehmbaren Nutzen führen. Erst dann werden nicht nur Techies und Innovatoren, sondern auch durchschnittliche Nutzer einen solchen Service regelmässig nutzen. Ein Pluspunkt für Android Pay in Grossbritannien ist in jedem Fall die Kooperation mit „Transport for London“. So können Nutzer in Bus und Bahn bargeldlos via Smartphone zahlen. Eins ist bei Google allerding sicher: Während wir auf die Entwicklung von Android Pay in Grossbritannien blicken, heckt Google bereits Pläne für weitere vielversprechende digitale Märkte aus.

    www.six-payment-services.com

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