Schweizer Polizei-IT: Hat die Schweiz zu viele Einsatzzentralen?

18. März 2016
František Habada ist Leiter der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums der Tschechischen Republik František Habada ist Leiter der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums der Tschechischen Republik Quelle: Sascha Hähni/Swiss Police ICT

    Am Schweizer Polizei Informatik Kongress SPIK wurden gestern Lösungsansätze der tschechischen Republik heiss diskutiert. Ein Vergleich mit der Schweiz lässt Skepsis aufkommen, ob die aktuelle Anzahl an Einsatzzentralen vertretbar ist.

    Der Schweizer Polizei Informatik Kongress SPIK 2016 wurde von einem hochrangigen Offizier der Tschechischen Polizei eröffnet: František Habada ist Leiter der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums der Tschechischen Republik. In seiner Präsentation setzte er den Schwerpunkt auf die Integration von Einsatzzentralen: «Wir haben von 90 auf 15 Zentralen reduziert». Habada unterstreicht, dass es in Anbetracht der aktuellen Sicherheitslage in Europa von hoher Wichtigkeit ist, Einsatzzentralen zu zentralisieren und auch grenzüberschreitenden Austausch zu ermöglichen.

    Es drängte sich ein Vergleich zur Schweiz auf, in der es aktuell 35 polizeiliche Einsatzzentralen (EZ) gibt – teilweise verteilt über mehrere Standorte. Während die Tschechische Republik 15 EZ für 10,5 Mio. Einwohner (2014) zählt, verfügt die Schweiz für 8,3 Mio. Menschen (2015) über mehr als doppelt so viele.

    Hat die Schweiz zu viele Einsatzzentralen?
    «Aus technischer und betrieblicher Sicht gibt es keine Gründe, die gegen eine Integration der EZ sprechen. Es sind politische Argumente, die bislang der Reduzierung im Weg standen», lässt ein Stabsvertreter eines Schweizer Polizeikorps verlauten. Fakt sei, dass kleine EZ personell ineffizient seien, denn sie bräuchten mehr Ressourcen, um ihre Leistungen zu erbringen. Doch gerade das Personal macht 85% der Kosten (15% Infrastrukturkosten) einer EZ aus. Dazu kommt, dass eine EZ im Normalfall nicht voll ausgelastet ist, da personelle Reserven für den Notfall notwendig sind.

    Die Schweiz kann es sich zurzeit leisten, mit der Integration zu warten
    Spätestens wenn der Spardruck ansteigt, muss an die Integration und Effizienzsteigerung gedacht werden – und an Effizienzsteigerung. Diese ist nicht nur bei Einsatzzentralen wünschenswert, sondern auch darüber hinaus eine Herausforderung in der Polizeiinformatik.

    Stefan Blättler, Präsident der KKPKS und Kommandant der Kantonspolizei Bern, unterstreicht in seinem Schlussreferat: «Mittel müssen zusammengelegt werden, um tiefgründigere und langfristigere Projekte auf die Beine zu stellen und so ein Mehr an Aufgaben noch effizienter auszuführen.» Er fügt hinzu: «Nur Kooperation kann längerfristig den zu erwartenden Kostenanstieg dämpfen.» Dennoch schloss er den Kongress mit optimistischen Worten ab: «Wir haben die Polizei trotz Sparprogrammen weiter entwickelt.»

    Am 9. Schweizer Polizei Informatik Kongress SPIK nahmen rund 700 Vertreter aus Polizei und Wirtschaft, IT-Experten verschiedener Branchen und Teilnehmer aus der Politik teil. Der jährliche Anlass ist die nationale Plattform für den Erfahrungsaustausch zu den Themen Polizeiinformatik und Bekämpfung von Cybercrime. Neben Referaten in sieben Symposien konnten sich die Teilnehmenden an über 30 Messeständen vom praktischen Nutzen der präsentierten Lösungen überzeugen.

    www.spik.ch

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