Die EU-Kommission prüft, ob SAP seine starke Stellung im Wartungs- und Supportgeschäft missbraucht und so Konkurrenz und Kunden benachteiligt hat.
Die Europäische Kommission hat ein Verfahren gegen SAP eingeleitet. Dem grössten europäischen Softwarekonzern wird vorgeworfen, seine Marktstellung bei Wartungs- und Supportleistungen für ERP- und Cloud-Software missbraucht zu haben. Im Raum steht der Verdacht, dass Kunden hohe Zahlungen leisten mussten und Wettbewerber benachteiligt wurden. Nach Auffassung der Behörde bindet SAP den Service automatisch an die Softwarelizenz. Unternehmen hätten so keine Möglichkeit, Leistungen von Drittanbietern zu wählen. Zudem verlängern sich die Wartungsverträge automatisch, was einen Wechsel erschwert. Kunden, die Leistungen pausieren und später wieder aufnehmen, sollen laut Kommission zudem Gebühren und Nachzahlungen leisten. Dieses Modell könnte den Wettbewerb eingeschränkt haben. Laut EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera führt das dazu, dass Kunden weniger Auswahl und höhere Kosten tragen müssen. SAP weist die Vorwürfe zurück und betont, dass man die EU-Regeln einhalte. Gleichzeitig erklärte das Unternehmen, mit der Kommission kooperieren zu wollen. Auswirkungen auf das Geschäft erwartet SAP nicht. Die Kommission prüft den Fall auf Grundlage der Artikel 101 und 102 des EU-Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Sollte sich der Verdacht bestätigen und keine Einigung erzielt werden, droht SAP ein Bussgeld von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Bei rund 34,2 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2024 entspräche das maximal 3,4 Milliarden Euro. SAP mit Sitz in Walldorf zählt weltweit zu den führenden Anbietern von Unternehmenssoftware. Die Systeme steuern bei vielen Firmen zentrale Prozesse wie Finanzen, Personal, Beschaffung oder Produktion. (aso)