Am Swiss Telecommunication Summit ging es um digitale Kontrolle, Resilienz und internationale Vernetzung.
Die Schweiz will digital souverän bleiben, aber nicht zur Insel werden. Diese Linie prägte den Swiss Telecommunication Summit 2026 von Asut am 25. Juni im Kursaal Bern. Nach der Eröffnung durch US-Botschafterin Callista Gingrich diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über digitale Abhängigkeiten in einer raueren Weltlage. Die Kernfrage: Wie behält die Schweiz Kontrolle über Daten, Infrastrukturen und Schlüsseltechnologien, ohne den Anschluss an globale Innovationsmärkte zu verlieren? Für eine offene Volkswirtschaft ist dieser Balanceakt entscheidend. Digitale Infrastrukturen, Daten und Prozesse müssen steuerbar bleiben. Gleichzeitig lebt die Schweiz vom Zugang zu internationalen Technologien, Plattformen und Märkten. Judith Bellaiche, Präsidentin von Asut, rückte die Telekommunikationsbranche ins Zentrum: «Wer heute über Daten, Rechenleistung und Künstliche Intelligenz verfügt, bestimmt morgen über Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und technologische Unabhängigkeit.»
Am Summit verdichtete sich digitale Souveränität auf drei Punkte: eigene Kompetenzen und Infrastrukturen, wirksame Governance und internationale Zusammenarbeit. Gefragt sind Fähigkeiten in Telekommunikation, KI und Cybersicherheit, aber auch die nüchterne Bewertung technologischer Abhängigkeiten. Ebenso klar wurde: Ohne Vertrauen und Resilienz bleibt Souveränität ein Schlagwort. Sichere Infrastrukturen, klare Regeln und transparente Governance sollen dafür sorgen, dass digitale Systeme auch unter geopolitischem oder wirtschaftlichem Druck funktionieren. Die Schweiz startet nicht bei null. Leistungsfähige Netze, starke Institutionen, hohe Sicherheitsstandards sowie gute Bildungs- und Forschungsstandorte bilden eine solide Basis. Zugleich steigt die Nachfrage nach souveränen digitalen Lösungen, besonders bei Behörden, regulierten Branchen und Betreibern kritischer Infrastrukturen. Der Swiss Telecommunication Summit zeigte: Digitale Souveränität ist kein Zustand, den man einmal erreicht. Sie muss laufend neu gesichert werden. Entscheidend ist nicht maximale Unabhängigkeit, sondern die Fähigkeit, Abhängigkeiten bewusst zu steuern und die eigene Handlungsfreiheit zu erhalten. (aso)