Die Arbeitswelt von morgen

Die Arbeitswelt von morgen Bild: Pixabay

    Obwohl täglich über Digitalisierung gesprochen wird, werden ihre Auswirkungen auf die Arbeitswelt weiterhin unterschätzt. Insbesondere das, was allgemein unter dem Stichwort «Industrie 4.0» verstanden wird – nämlich die weitgehende Vernetzung von Menschen und Maschinen in den Wertschöpfungsketten und Produktionsabläufen – wird für eine völlig neue Arbeitswelt sorgen.

    Die ausführliche Studie «What if employment as we know it today disappears tomorrow?» der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY geht dieser Frage nach und leitet Wege ab, wie dieser in der Schweiz, Deutschland und Österreich begegnet werden kann. Für diese Prognosen zur Arbeitsplatzentwicklung wurden Faktoren wie der Anteil ausgesuchter Branchen am Bruttoinlandprodukt, das Pro-Kopf-Einkommen, der Export sowie die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen untersucht.

    «Die Zukunft der Arbeit wird Gewinner und Verlierer hervorbringen. Wichtig wird es sein, die Beschäftigten auf diese Entwicklung vorzubereiten und ihnen heute schon die Fertigkeiten mitzugeben, die sie in Zukunft brauchen werden», sagt Gerard Osei-Bonsu, Leiter People Advisory Services (PAS) von EY in der Schweiz.

    Regional unterschiedliche Auswirkungen
    Aktuell sind mehr als die Hälfte der hiesigen Erwerbstätigen in wissensintensiven Jobs tätig. Hinzu kommt der hohe Anteil an gut ausgebildeten Ausländerinnen und Ausländern, die in der Schweiz wohnen und arbeiten. Damit scheint die Schweiz für die anstehenden Veränderungen der Arbeitswelt aufgrund der Digitalisierung im Vergleich zu Deutschland und Österreich bereits gut gerüstet zu sein. Zu erwarten ist jedoch, dass mittel qualifizierte Arbeitskräfte weiter unter Druck geraten, und auch die Anzahl der Teilzeit-Arbeitsplätze dürfte zurückgehen.

    Diese Entwicklungen werden jedoch regional unterschiedlich auftreten: So weisen beispielsweise Wallis, Tessin oder Graubünden zahlreiche kleinere und mittlere Unternehmen auf, die (aufgrund ihres beschränkten Zugangs zu Kapital) noch einen geringeren Automatisierungsgrad haben. Bei diesen werden die Auswirkungen der Digitalisierung später eintreten als bei grossen Firmen oder Unternehmen, die in Basel, Genf, Lausanne oder Zürich ansässig sind.

    Neuenburg und Jura wiederum gehören zu den Kantonen mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent sogenannter manueller Arbeitsplätze (das sind über zehn Prozent mehr als der landesweite Durchschnitt). Eigentlich wäre dies ein Grund zur Besorgnis, da solche Aufgaben aufgrund der fortschreitenden Automatisierung oft als erste wegfallen. Gleichzeitig haben beide Kantone jedoch den national höchsten Anteil an High-Tech-Jobs, deren Zahl im Zuge der Digitalisierung voraussichtlich wachsen wird.

    Basis-Szenario: jährlich mehr als drei Prozent neue Jobs
    Die Studie zur Zukunft der Arbeit rechnet für die Schweiz in einem Basis-Szenario mit einem jährlichen Anstieg von 3,3 Prozent neuen Stellen bis 2030. Grundlage dafür wären der jährliche Anstieg des Bruttoinlandproduktes um 3,1 Prozent sowie die jährliche Zunahme der staatlichen Investitionen um 1,7 Prozent. Dieses Wachstum wird schwergewichtig in den Regionen Basel, Zürich und Genf/Lausanne auftreten. Dabei werden insbesondere die Branchen IT, Finanzen, Immobilien und Life Sciences mehr Arbeitsplätze anbieten, während Automobilzulieferer und andere Industriefirmen weniger Beschäftigte haben werden.

    Dieses Basis-Szenario könnte in diesen Branchen zu einem Zuwachs von insgesamt 317’000 Arbeitsplätzen bis 2030 führen. Unter der Annahme ausnehmend positiver Auswirkungen der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz – sowie der Schaffung eines förderlichen Umfelds durch die Politik – wären sogar 511’000 zusätzliche Jobs möglich. Davon ausgehend, dass die Digitalisierung primär zur Streichung von Arbeit für niedrig und mittel qualifizierte Arbeitnehmer führt, könnten andererseits insgesamt auch nur 94’000 neue Jobs in diesen sechs Branchen verzeichnet werden.

    «In Zukunft wird es wieder mehr auf menschliche Fähigkeiten ankommen: Empathie, die Fähigkeit zu inspirieren oder auch kulturelles Bewusstsein werden eine zentrale Rolle spielen. In der künftigen Arbeitswelt gilt es, diese menschlichen Fähigkeiten passend mit Maschinen zu kombinieren, um die besten Ergebnisse zu erzielen», kommentiert Osei-Bonsu.

    Drei Schlussfolgerungen für die Schweiz:

    Attraktive Zukunft für Life Sciences: Die Life Sciences-Branche wird eine der treibenden Kräfte des Schweizer Wirtschaftswachstums durch Industrie 4.0 sein. Selbst unter konservativen Annahmen dürfte sich ihr Anteil am Bruttoinlandprodukt bis 2030 auf 30 Prozent erhöhen und auch die Zahl der Arbeitsplätze dürfte ansteigen. Der Grund für diese guten Aussichten liegt vor allem daran, dass diese Branche zahlreiche hoch qualifizierte Arbeitsstellen anbietet, welche sich nicht leicht automatisieren lassen.

    Finanzbranche wird weiter zulegen: Es gibt Bedenken, dass einige Arbeitsplätze verlagert oder durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden. Die von EY durchgespielten Szenarien zeigen jedoch, dass auch die Banken- und Versicherungsbranche bis 2030 ein jährliches Jobwachstum von zwei Prozent verzeichnen wird. Ihr Anteil am Bruttoinlandprodukt dürfte wieder auf das Niveau von 2000 ansteigen.

    Politik sollte nicht untätig bleiben: Einer der Schweizer Wachstumstreiber waren stets auch staatliche Investitionen, unter anderem in Infrastruktur, Bildung sowie Forschung und Entwicklung. Die Ergebnisse der Studie zum Arbeitsmarkt der Zukunft widerspiegeln die Wichtigkeit dieser Variable und auch die derzeit günstige Position der Schweizer Volkswirtschaft aufgrund ihrer Bereitschaft zur Vernetzung und des Zustroms von qualifizierten Ausländern. Die Zusammenarbeit zwischen wirtschaftlichen und politischen Akteuren sollte aber noch weiter gefördert werden, um diese günstigen Rahmenbedingungen beibehalten zu können.

    EY erweitert die Geschäftsleitung in der Schweiz um die Service Line People Advisory Services (PAS), in der Beratungsleistungen rund um die Personalfunktion in Unternehmen erbracht werden. Gerard Osei-Bonsu ist am 1. Juli als neuer Leiter PAS in die Geschäftsleitung von EY eingetreten und wird das Portfolio der Dienstleistungen in enger Koordination mit den anderen Service Lines und Sektoren von EY weiter ausbauen. Damit unterstreicht EY ihren Ansatz der integrierten Beratung – von der Strategieentwicklung über die Geschäftsmodelltransformation bis hin zu unterstützenden Funktionen wie beispielsweise Personal. Die Transformation, in der sich Unternehmen und Gesellschaft befinden, hat massive Auswirkungen auf Kultur und Menschen, sodass Beratung bei der Transformation des HR-Bereiches immer stärker nachgefragt wird. Dieser Nachfrage trägt EY mit dem Ausbau ihrer Kompetenzen Rechnung.

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