Schockierende Tracker-Studie im Kinderzimmer

Schockierende Tracker-Studie im Kinderzimmer © Fractal Verlag/123rf.com

    Harmlose Spiele, pädagogisch wertvolles Wissen, lustige Zeichentrickfilme: Viele Internetseiten locken Kinder und Jugendliche mit Gratisangeboten. Doch oft dient das vor allem einem Zweck: Unsere Kinder sollen ausspioniert werden.

    Kinder und Internet? Da denken die meisten Eltern in erster Linie an Gefahren wie Gewalt, Mobbing und Pornografie. Die Rettung versprechen speziell auf die junge Zielgruppe ausgerichtete Angebote, wie kidscat.ch, spick.ch oder zambo.ch. Auf den bunten, harmlos erscheinenden Seiten erwartet niemand etwas Böses. Doch der Schein trügt, wie eine aktuelle eBlocker-Studie zeigt. Auf vielen dieser Internetseiten werden Kinder gnadenlos ausspioniert und anschliessend mit verlockender Werbung bombardiert sowie gezielt beeinflusst.

    Web-Wanzen bespitzeln im Hintergrund
    Beispiel kidscat.ch: Das Internetportal speziell für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene und Schulen, verspricht pädagogisch hochwertige Inhalte und will einen guten Überblick über das Angebot innerhalb der "Kinderseiten-Landschaft" verschaffen. Zudem bietet es Spiele, stellt Bücher und Zeitschriftenvor und gibt Tipps zum richtigen Umgang mit dem Internet für Kinder und Eltern. Tatsächlich verstecken sich aber auf der Seite insgesamt 18 so genannter „Web-Wanzen“ (englisch „Tracker“), die unsere Kinder mitunter über mehrere Websites hinweg verfolgen. Auch trackende Werbung, Like-Buttons und vieles mehr trägt dazu bei, dass das Surfverhalten von Internetnutzern genauestens protokolliert wird. Anhand verschiedener individueller Merkmale können Werbeunternehmen die Kinder dadurch eindeutig identifizieren und so ein genaues Persönlichkeitsprofil erstellen. Die dahinterstehenden Unternehmen protokollieren dazu die gelesenen Artikel, die angeschauten Videos und aufgerufenen Spiele und wissen dann nach einiger Zeit genau, mit wem sie es zu tun haben: Alter, Geschlecht, Vorlieben, Lernfortschritte,  Entwicklungsstand – das surfende Kind hinterlässt unbewusst seine persönliche Visitenkarte. Aber auch Dinge wie finanzieller Hintergrund, mögliche Lernschwächen oder soziale Probleme können so ans Licht kommen. Die erhobenen Daten landen dann häufig auf US-Servern mit oft schwachem Datenschutz.

    Bis zu 18 Datensammler pro Seite
    Kidscat.ch ist leider kein Einzelfall, wie die Ende Januar durchgeführte eBlocker-Untersuchung zeigt. Von zehn geprüften Kinderseiten schnüffeln neun Ihre vorrangig jungen Besucher aus, ergab die Quellcodeanalyse der jeweiligen Startseiten durch die eBlocker-Experten. Besonders wild treiben es neben Kidscat.ch die Seiten spick.ch mit zehn, netla.ch mit neun und lilibiggs.ch mit sieben Web-Wanzen. Äusserst heikel: auf der Hälfte der geprüften Internetseiten werden auch Tracker von Werbenetzwerken wie doubleclick.net, das zum Google-Konzern gehört, verwendet. Das ermöglicht nicht nur dem Websitenbetreiber, sondern auch Dritten (dem Werbenetzwerkbetreiber) umfangreiche Einblicke in das Surfverhalten der jungen Besucher. Auffallend bei den Schweizer Websites ist, dass, anders als auf Deutschen Kinderwebsites, gleich mehrere Tracker von Google und auch Facebook vertreten sind. Damit können die beiden Konzerne beispielsweise eine Website-übergreifende Verhaltensanalyse über alle Kinderwebsites durchführen und so detaillierte Persönlichkeitsprofile erstellen. Als positives Beispiel ist nur das Angebot von kiki.ch zu erwähnen, welches sich datenschutztechnisch als rundum unbedenklich erwies.

    Manipulation durch zielgerichtete Werbung
    Die Folge der Analyse des Surfverhaltens ist einerseits fragwürdige Werbeangebote in Form sogenannter personalisierter Werbung. Besonders Kinder und Jugendliche reagieren darauf. Denn sie sind neugierig und möchten häufig wissen, was hinter den Anzeigen steckt. Überdies erkennen sie viele Werbeformen oft nicht als Werbung. Unternehmen gelingt auf diese Weise, zielgerichtet das Verhalten von Kindern zu beeinflussen und sie zum Kauf bestimmter Produkte zu drängen. Es lauern aber noch weitere Gefahren: Heikel wird es zum Beispiel, wenn sich hinter bunten Bannern Betrüger verbergen. Etwa Gewinnspiele, die allein der Weitergabe persönlicher Daten dienen, oder Gratis-Angebote, die sich als Abofallen entpuppen. Anderseits können die Werbefirmen mit den gesammelten Daten kräftig Kasse machen, indem sie Persönlichkeitsprofile teuer weiterverkaufen. Aber wer will schon, dass profitorientierte Unternehmen alles über die eigenen Kinder wissen?

    Leider legal
    Das Schockierende: Diese Praktiken sind nicht generell verboten und greifen auf jedem internetfähigen Endgerät, egal ob Computer, Spielekonsole oder Tablet. Persönlichkeitsprofile von Kindern und Jugendlichen – wie von jedem anderen Internetnutzer auch – dürfen kommerziell verwertet werden. Aus Sicht von AntiTracking-Experte und Initiator der Studie Christian Bennefeld ist das ein Skandal. Sein Appell: „Eltern müssen nicht nur überprüfen, was die Kinder mit den Medien machen. Sondern auch, was die Medien mit ihren Kindern machen.“ Übrigens: Aus gutem Grund ist in den USA bereits seit 2013 das Tracken von Onlineaktivitäten von Kindern unter 13 Jahren per Gesetz verboten. Hierzulande geniessen die Datenschnüffler dagegen – noch – freie Bahn.

    Kinder vor Gefahren im Netz schützen
    Wer seine Kinder ungern zum Spielball der Datensammler machen möchte, muss sie schützen. Anstatt jedes einzelne Gerät aufwendig für sicheres Surfen fit zu machen, erledigt der eBlocker Family diese Aufgabe im Handumdrehen. Dazu wird die kleine Box lediglich per Kabel am Router angedockt und mit Strom versorgt – fertig. Fortan schützt sie alle Geräte zuverlässig vor jeglichen Schnüffeldiensten. Die Family-Version des eBlockers bietet darüber hinaus die Möglichkeit, für jedes Mitglied im Haushalt eigene Einstellungen zu treffen. Kinder und Jugendliche profitieren von
    speziellen Jugendschutz-Funktionen, die sie vor Gewalt, Abzocke, Pornografie und nicht kindgerechten Inhalten sicher abschirmen.

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