Zug startet erste Abstimmung mit digitaler ID

Zug startet erste Abstimmung mit digitaler ID

    In der Stadt Zug startete heute die schweizweit erste Testabstimmung auf Basis der Blockchain-Technologie. Am E-Voting-Projekt beteiligt ist das Departement Informatik. Inhaberinnen und Inhaber einer digitalen ID der Stadt Zug können noch bis am 1. Juli 2018 an der Abstimmung teilnehmen.

    Derzeit werden in der Schweiz verschiedene E-Voting-Systeme getestet. Im Gegensatz zu diesen wird in der Stadt Zug nicht über einen zentralen Server abgestimmt, sondern via Blockchain über mehrere Computer verteilt. Dies macht das System sicherer und weniger anfällig für Manipulationen. Mit der seit heute laufenden Testabstimmung will Zug mit den Projektpartnern Hochschule Luzern und dem IT-Unternehmen Luxoft Sicherheitsaspekte wie Persönlichkeitsschutz, Abstimmungsgeheimnis, die Unveränderbarkeit der Abstimmung sowie die Prüf- und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse überprüfen.

    Bei der Abstimmung kommt eine Verschlüsselungstechnologie zum Einsatz, welche einerseits die abgegebenen Stimmen anonymisiert und andererseits eine sichere Prüfung ermöglicht. Es handelt sich um eine Konsultativabstimmung, die dem Stadtrat Hinweise aus der Bevölkerung gibt. Im Gegensatz zu einer ordentlichen Volksabstimmung ist sie rechtlich nicht bindend.

    Eines der ersten Projekte seiner Art
    Das Team des Departements Informatik der Hochschule Luzern hat das gesamte Forschungsprojekt koordiniert, den Kontakt zwischen der Stadt Zug und der Firma Luxoft hergestellt, die E-Voting-Infrastruktur aufgesetzt und schliesslich die von Luxoft kreierte Blockchain-Software – quasi das Herz des E-Voting-Systems – in diese Infrastruktur einfügt.

    «Für uns ist dieses Projekt eine tolle Möglichkeit zu testen, was im Bereich E-Voting und Blockchain bereits funktioniert, und wo wir noch an den Schrauben drehen müssen», sagte Alexander Denzler, Dozent für Blockchain und Big Data am Departement Informatik der Hochschule Luzern. «Bislang gibt es nämlich kaum Blockchain-basierte E-Voting-Projekte, an denen wir uns orientieren könnten.»

    Quellcode soll offengelegt werden
    Das E-Voting-System wurde von der global tätigen, börsenkotierten IT-Unternehmung Luxoft zusammen mit der Stadt Zug und dem Departement Informatik entwickelt. Die E-Voting-Plattform der mit einer Niederlassung in Zug ansässigen Luxoft soll gemäss den Angaben des Unternehmens in Zukunft «Open Source» ausgestaltet werden: Mit der dem Offenlegen des Quellcodes will Luxoft blockchainbasierte E-Voting-Lösungen weltweit zum Durchbruch verhelfen.

    Vasily Suworow, Chief Technology Officer bei Luxoft, sagte dazu: «Es bestehen Bedenken hinsichtlich der elektronischen Stimmabgabe, da Abstimmungen ein grundlegender Mechanismus für die direkte Demokratie sind. Deshalb glauben wir, dass diese Technologie nicht einem einzigen Unternehmen gehören sollte. Wir werden die E-Voting-Plattform ‹Open Source› ausgestalten, damit die Menschen verstehen können, was die Technologie ausmacht und wie sie funktioniert. Wir wollen mehr Menschen ermutigen, blockchainbasierte Anwendungen für Regierungen weltweit zu entwickeln.»

    Testabstimmung noch bis 1. Juli
    Die digitale ID der Stadt Zug wurde am 15. November 2017 eingeführt und befindet sich in einer Pilotphase. Neben einer E-Voting-Lösung sind für die Inhaberinnen und Inhaber eine digitalen ID verschiedene andere Anwendungen in der Evaluation, darunter das Ausleihen von Stadtvelos an verschiedenen Orten oder von Büchern in der Bibliothek ohne Bücherausweis.

    Interessierte haben weiterhin die Möglichkeit, über die Webseite der Stadt Zug und die Installation der «uPort»-App ihre digitale ID zu bekommen und an der Konsultativabstimmung teilzunehmen. Mit einer Beglaubigung bis am 29. Juni besteht auch für Neuregistrierte die Möglichkeit, sich an der Abstimmung bis am 1. Juli um 23.59 Uhr zu beteiligen.

    Die Auswertung der blockchainbasierten Testabstimmung und die Analyse der daraus gewonnenen Erkenntnisse erfolgt in den nächsten zwei Monaten. Über die Resultate werden die Projektpartner nach den Sommerferien informieren.

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