Wer baut das Auto der Zukunft?

Wer baut das Auto der Zukunft? © irinastrel123/fotolia

    In kaum einer Branche hatten es neue Anbieter in der Vergangenheit so schwer wie in der Automobilindustrie – die digitale Transformation wirbelt aber auch hier alles durcheinander. Je vernetzter das Auto wird, desto besser die Chancen für Startups und Disruptoren aus dem Silicon Valley.

    Um sich zu behaupten, müssen traditionelle Autobauer die Komplexität von Fahrzeug-Apps und anderen digitalen Technologien beherrschen lernen – und der Nutzererfahrung einen neuen Stellenwert einräumen. Die Application Intelligence-Experten von AppDynamics erklären, worauf es ankommt. Unsere Autos werden immer digitaler: Die Entwicklung begann mit der Digitalisierung von Standardfeatures wie der Geschwindigkeits-, Verbrauchs- und Füllstandsanzeige, der Klimaanlage oder des Radios. Anschliessend kam die Vernetzung: Fahrzeuge streamen heute Musik aus der Cloud und rufen Verkehrsinformationen aus dem Internet ab. Jüngste Innovationen sollen das Fahren vor allem sicherer machen: Sie helfen beim Wechseln der Spur auf der Autobahn, regeln automatisch den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug oder unterstützen in brenzligen Situationen die Notbremsung.

    Am Ende der Entwicklung, so die Meinung fast aller Experten, wird das autonome Fahrzeug stehen. Nur wer wird es bauen? Wenn es um Ingenieurskunst geht, sind die deutschen Autobauer unschlagbar. Mit digitalen Technologien aber kennt das Silicon Valley sich besser aus. Je wichtiger digitale Technologien im Fahrzeugbau werden, desto besser die Chancen für Quereinsteiger aus der IT-Welt. Apple soll bereits bis zu 10 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung eines iCars gesteckt haben, Google arbeitet derweil an einem Betriebssystem für Autos. Die autonomen Testfahrzeuge des Suchmaschinenriesen haben bereits mehr als zwei Millionen Kilometer auf öffentlichen Strassen zurückgelegt. Wie kann es den traditionellen Autobauern gelingen, das immense Potenzial der Connected Cars zu verwirklichen und sich gegen den neuen Wettbewerb zu behaupten?

    Neue Bedeutung von Fahrzeug-Apps
    Für Präzision und Zuverlässigkeit ist die deutsche Automobilindustrie weltweit bekannt. Aber beim Umgang mit digitalen Technologien haben andere die Nase vorn. Um zur Weltspitze aufzuschliessen, benötigen sie zweierlei: Know-how und einen Mentalitätswechsel. Das Know-how können sie erwerben, indem sie vermehrt entsprechende Spezialisten einstellen, zum Beispiel für die Entwicklung und den Betrieb von Software. Entsprechende Initiativen verfolgen viele Autobauer bereits seit Jahren. Der angesprochene Mentalitätswechsel muss darauf abzielen, die Nutzererfahrung stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Vorreiter wie Amazon, Facebook und Google setzen mit ihren Apps und Services seit Jahren die Massstäbe in Sachen Performance und Bedienkomfort. Was Verbraucher von diesen Anbietern gewöhnt sind, erwarten sie zukünftig in allen Bereichen des Lebens – auch beim Autofahren.

    Wer im Jahr 2025 einen Gebrauchtwagen kauft, wird sich höchstwahrscheinlich nicht mehr nur für Kilometerstand und Unfallfreiheit interessieren, sondern ebenso für die Frage, welches Betriebssystem im Auto installiert ist. Denn das eigene Smartphone mit dem Bordcomputer verbinden, die neuesten Apps nutzen und das Fahrerlebnis personalisieren zu können, gilt immer öfter als Grundvoraussetzung. Das liegt vor allem daran, dass viele Autofahrer auf digitale Technologien schlicht angewiesen sind, um sicher durch den Strassenverkehr und pünktlich an ihr Ziel zu kommen. Wer es zum Beispiel nicht anders gelernt hat, für den ist das Einparken ohne Einparkhilfe unmöglich. Und wer keinen Strassenatlas im Handschuhfach liegen hat, der findet ohne Navigations-App nicht mehr ans Ziel. Diese zunehmende Abhängigkeit bedeutet, dass Fahrzeug-Apps heute genauso zuverlässig funktionieren müssen wie Motor und Bremsen. Die Performance der Anwendungen rückt immer mehr in den Mittelpunkt.

    Pferdestärke, Spritverbrauch, Ladezeit der Apps
    Das Connected Car ist eine hochkomplexe Maschine, allein die verbaute Software umfasst bis zu 100 Millionen Codezeilen. Quellen für Fehler gibt es daher viele, angefangen bei der im Fahrzeug verbauten Technologie, über das mobile Funknetz, bis hin zu den angesteuerten Cloud-Services. Weil verschiedene Teilsysteme und Komponenten perfekt zusammenspielen müssen, kann schon ein Update einer einzelnen Anwendung für Kompatibilitätsprobleme sorgen, und der Ausfall eines Datenbankservers am anderen Ende des Globus legt möglicherweise das ganze System lahm. Die Herausforderung wird umso komplexer, wenn Komponenten unterschiedlicher Anbieter zusammenarbeiten – oft ist dann nicht auf Anhieb klar, auf wessen Seite der Fehler liegt.

    Um ihre Marktstellung zu verteidigen und die Chancen des digitalen Wandels zu nutzen, müssen die traditionellen Autobauer diese Komplexitäten bewältigen lernen. Denn die Autos der Zukunft baut, wer beides beherrscht – Fahrzeugtechnik und digitale Technologien. Fahrer beurteilen die Performance eines Fahrzeugs nicht mehr nur anhand von Kenngrössen wie Pferdestärke und Kraftstoffverbrauch, sondern fordern mehr und mehr auch eine reibungslose Nutzererfahrung ein. Um diese gewährleisten zu können, benötigen Hersteller das technische Rüstzeug, um die Performance der in ihren Fahrzeugen verbauten Anwendungen flächendeckend überwachen und Störungen proaktiv beheben zu können. Application Performance Management hilft dabei, Probleme bis auf die einzelne Codezeile zurückzuverfolgen. Für Autobauer ist das unverzichtbar, um eine Nutzererfahrung bieten zu können, die den Anforderungen der Fahrer vollständig entspricht.

    Der Markt für Connected Car-Technologien wird weiter wachsen – einer Prognose von PwC Strategy& zufolge von 44 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf 129 Milliarden Euro im Jahr 2022. Offen ist die Frage, wer von diesem Wachstum profitieren wird. Sowohl die traditionellen Autobauer als auch Unternehmen aus dem Silicon Valley rechnen sich Chancen aus. Das Rennen um die Gunst der Kunden gewinnen am Ende jedoch die, die den neuen Erwartungen an Nutzererfahrung und Zuverlässigkeit besser gerecht werden.

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